Pharmazeutische Zeitung online
Grauer Star und AMD

Welche Eingriffe am Auge sollte man nicht aufschieben?

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen steigt weiter. Viele Patienten sind verunsichert, ob sie geplante Eingriffe oder Untersuchungen an den Augen angesichts der anhaltenden Pandemie vornehmen lassen sollten. »Jein«, sagen Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).
Christiane Berg
03.04.2020  10:42 Uhr

»Nicht zwingend notwendige und verschiebbare Eingriffe wie Operationen des Grauen Stars (Katarakt), operative Korrekturen von Fehlsichtigkeiten, routinemäßige Check-ups, das Einholen einer Zweitmeinung oder etwa kosmetische Operationen an den Augenlidern sollten verschoben werden«, betonte der DOG-Pressesprecher Professor Dr. Horst Helbig gestern in einer Mitteilung der Fachgesellschaft für Augenheilkunde, die unter ihrem Dach mehr als 7.200 Ärzte und Wissenschaftler vereint.

Intravitreale operative Medikamenteneingaben (IVOM, Injektionen in den Glaskörper) von VEGF-Hemmern zur Therapie der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) hingegen sollten weiter durchgeführt werden, da diese für den Erhalt des Sehvermögens von entscheidender Bedeutung sind. »Die IVOM-Therapien müssen erfolgen«, unterstrich Professor Dr. Thomas Reinhard, Generalsekretär der DOG. Augenärztliche Praxen hätten ihre Abläufe dahingehend umgestellt, dass das Risiko einer Ansteckung so gering wie möglich gehalten wird. Gleiches gelte für Hornhaut-Transplantationen. »Es besteht ein Mangel an Transplantaten und es wäre ethisch nicht vertretbar, gespendetes Material zu verwerfen«, sagte Reinhard. Ob ambulant oder stationär: Auch die Versorgung von Notfällen bleibe gesichert.

Zur Minimierung der Infektionsgefahr rät die DOG allen Augenärzten und Patienten, bei unbedingt notwendigen Untersuchungen Schutzmasken zu tragen. An der Spaltlampe zur stereoskopischen Inspektion der Augen sollten Spuckschutzschilde angebracht werden.

Selbsttest für AMD-Patienten

Auch Pro Retina als Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen betont auf ihrer Homepage, dass IVOM bei AMD nicht aufgeschoben werden sollen. Sie rät Patienten, sich hinsichtlich der Durchführung ihres bereits vereinbarten Untersuchungstermins dringend bei ihrem Augenarzt oder ihrer Augenklinik rückversichern. Sollte sich der Termin verzögern oder doch abgesagt werden, sei es ratsam, die Augen regelmäßig mit dem Amsler-Gitter-Test zu überprüfen. Der Test zur Früherkennung von Netzhauterkrankungen kann mit Hilfe des Gitters sowie der Anweisungen auf der Homepage des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes durchgeführt werden.

Er funktioniert wie folgt: Beim Blick auf das Gitter wird ein Auge abgedeckt, mit dem anderen wird der Punkt in der Mitte fixiert. Anschließend wird auf diese Weise das andere Auge geprüft. Falls der Punkt in der Mitte nicht zu sehen ist oder »Löcher« beziehungsweise graue Schleier, dunkle oder verschwommene Stellen, unterschiedlich große Kästchen oder verbogene, verzerrte Linien erscheinen, sei die augenärztliche Konsultation unumgänglich. Betont wird, dass der Selbsttest mit dem Amsler-Gitter regelmäßige augenärztliche Kontrollen ergänzt, sie aber nicht ersetzt.

THEMEN
Coronavirus

Mehr von Avoxa