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Inhalationen

Weg frei zu Nase und Bronchien

Inhalationen sind aus der Therapie von Atemwegserkrankungen nicht wegzudenken. Arzneistoffe können so gezielt bis in die Bronchien transportiert werden. Für eine effektive Therapie ist das richtige Inhalationsgerät essenziell.
Elke Wolf
16.01.2019
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Der Klassiker unter den Inhalationsmethoden ist das Kamilledampfbad nach der Kochtopfmethode. Sicherer ist aber die Verwendung von wärmeisolierten und auslaufsicheren Dampfinhalatoren (wie GeloDurat® Inhalator, Pinimenthol® Inhalator, Wick® Dampf Inhalator W1300). In allen drei Fällen befeuchtet der heiße Dampf die Schleimhäute in Nase und Rachen, löst Krusten in der Nase und unterstützt die Verflüssigung zähen Schleims. Um aber über die Stimmlippen hinaus in den Atemwegen eine Wirkung vermitteln zu können, sind die Wassertröpfchen zu groß. Auf Bronchien und Lunge hat diese Form der Inhalation also nur eine geringe direkte Auswirkung.

Die Wasserdampfflüchtigkeit ätherischer Öle prädestiniert sie für den Zusatz in Dampfinhalatoren. Kamillen-, Eukalyptus-, Fichtennadel- oder Latschenkiefernöl haben die Eigenschaft, sich an Wassermoleküle anzuheften und mit ihnen gemeinsam in die Dampfphase überzugehen. Die dabei entstehenden Tröpfchen haben eine Größe von etwa 15 Mikrometer, verbleiben somit in den oberen Atemwegen und machen die Dampfinhalation zum probaten Behandlungsmittel einer Nasennebenhöhlen- oder Rachenentzündung.

Sind die Nase und ihre Nebenhöhlen das Zielorgan, atmet der Patient auch über die Nase ein. Bei einer beabsichtigten Behandlung des Rachens darf die Einatmung nicht durch die Nase erfolgen, weil die Zilien sonst bereits den größten Teil der Wirkstoffe absorbieren. Nicht vergessen: Öle mit einem Anteil von Menthol oder Campher sind für Kleinkinder unter zwei Jahren wegen der Gefahr eines Glottiskrampfs oder eines reflektorischen Bronchospasmus nicht geeignet. Auch Eukalyptus-, Rosmarin- und Salbeiöl sollten wegen ihres Ketongehaltes (vor allem Thujon) bei Kleinkindern nur zurückhaltend dosiert werden, so etwa nicht in Form einer direkten Inhalation, sondern durch Anwendung einer Erkältungssalbe auf dem Rücken.

Mittels Dampfinhalation lässt sich im Übrigen auch kein Salz inhalieren. Zwar löst sich das Salz im Wasser vollständig, dennoch enthält der Dampf kein Kochsalz. So kann sich zwar allein durch die Wärme ein Gefühl des Wohlbefindens einstellen, die schleimlösende Wirkung bleibt jedoch aus.

Druckluft oder Ultraschall

Salz- oder Arzneistofflösungen lassen sich nur als Aerosol einatmen. Teilchen mit einem Durchmesser zwischen einem und 5 Mikrometer gelangen bis in die Bronchien und Alveolen. Größere Partikel setzen sich im Mund-Rachen- Raum ab, kleinere werden mit der Atemluft wieder ausgeatmet. Winzige Aerosolpartikel können entweder elektrische Düsen- oder Ultraschallvernebler erzeugen. Die Marktführer Pari und Omron, doch auch die Firmen Beurer, MPV Medical, Inqua und Scala bieten eine große Gerätevielfalt.

Die Arbeitsweise aller Düsenvernebler ist gleich: Ein Kompressor erzeugt Pressluft, die über den Luftschlauch und eine Düse im Vernebler auf das Inhalat geblasen wird. Der Luftstrom reißt Teilchen aus dem Inhalat und vermischt sich im Vernebler mit weiterer Luft. Der Patient atmet dieses Aerosol über ein Mundstück oder eine Maske ein. Für Kinder gibt es kleinere Mundmasken mit Nasenklemmen, die das Atmen über die Nase verhindern. Die Kompressor-betriebenen Geräte sind oft sehr laut, was besonders von kleineren Kindern nicht ohne Weiteres toleriert wird.

Alternativ bieten sich dann Geräte mit Schwingmembran-Technologie an. Sie sind deutlich leiser. Auch nahezu geräuschlose Varianten sind im Handel (wie Pari Boy® Free). Weil das Wasser nicht erwärmt wird, stellen die Vernebler zudem eine sichere Alternative zur Dampfinhalation, vor allem bei kleinen Kindern, dar.

Ultraschall-Inhalatoren wie Multisonic® InfraControl oder Beurer® IH40 erzeugen Schwingungen im Ultraschall-Bereich mithilfe eines Piezo-Kristalls. Diese hochfrequenten Schwingungen werden auf das Inhalat im Medikamentenbecher übertragen, aus dem sich energiereiche Teilchen lösen und als Aerosol eingeatmet werden können. Die Teilchengröße liegt unter 10 Mikrometer. Ultraschall-Inhalatoren sind im Vergleich zu den Kompressor- Inhalatoren sehr leise und kompakt. Sie eignen sich gut zum Mitnehmen auf Reisen. Ihr Hauptanwendungsgebiet liegt in der Behandlung der chronisch-obstruktiven Pulmonalerkrankung (COPD) und der Mukoviszidose.

Elektronische Vernebler wie eFlow® rapid oder Geratherm® micromesh nutzen die Energie einer konstant mit 117 kHz schwingenden perforierten Metallmembran und sind damit nahezu geräuschlos. Sie erzeugen Teilchen mit einer mittleren Größe von 5 Mikrometer und haben eine hohe Verneblungsleistung, sodass die Inhalationszeiten nur etwa halb so lang wie bei den Kompressor-Inhalatoren sind. Das macht sie ideal zur Anwendung bei Kindern.

Prinzipiell tritt die Wirkung aller Vernebler durch die lokale Applikation und die große Resorptionsfläche rasch ein. Weniger als ein Zehntel der sonst benötigten Arzneimitteldosis reicht für den Effekt aus. Und die geringere Dosis führt zu weniger Nebenwirkungen an anderen Organen. Wer kein Gerät zu Hause hat, den bestellt der Arzt zu regelmäßigen Inhalationssitzungen in die Praxis. Das ist meist bei Kindern der Fall. Manche Apotheken verleihen auch Inhalationsgeräte.

Richtig zu inhalieren, ist nicht ganz einfach und erfordert eine gewisse Übung. Eine ausführliche Beratung in der Apotheke vermeidet Anwendungsfehler. Der Patient nimmt das Mundstück, das er zuvor auf den Vernebler gesetzt hat, zwischen die Zähne und umschließt es dicht mit den Lippen. Säuglingen und Kleinkindern legen die Eltern die Maske dicht über Mund und Nase und halten den Vernebler während der gesamten Inhalation fest. Dabei muss der Vernebler immer senkrecht stehen und der Patient mit möglichst aufrechtem Oberkörper sitzen. Wenn die Kinder schreien oder weinen, bringt die Inhalation keinen Effekt. Sie müssen ruhig und gleichmäßig atmen.

Inhalate richtig anwenden

Die Inhalationslösung muss meist zuvor selbst hergestellt werden. Dazu füllt man etwa 2 ml sterile Kochsalzlösung als Trägersubstanz in den Vernebler und gibt die verordnete Tropfenzahl der Arzneimittellösung hinzu (zuvor sind die Hände zu waschen!). Diese Lösung sollten die Patienten komplett inhalieren, Reste verwerfen. Muss die Kochsalzlösung aus einem Vorratsgefäß entnommen werden, ist auf steriles Arbeiten zu achten; dazu am besten sterile belüftete Aufziehkanülen verwenden. Die angebrochene Flasche im Kühlschrank aufbewahren. Unkonservierte 20-ml-Ampullen (wie Bad Reichenhaller Inhalationslösung) dürfen nach Anbruch maximal 24 Stunden lang benutzt werden.

Einfacher geht es mit 2,5-ml-Einzeldosen-Ampullen (wie von Pari, Inqua) mit Kochsalzlösung, zum Teil mit einer Salzlösung (wie Emser Inhalier-Lösung) oder mit einem Arzneistoff wie Salbutamol fertig gemischt (wie Salbutamol Fertiginhalat). Ungeeignet für die Inhalation mit Geräten sind Hustensäfte, Gurgellösungen, Balsamzubereitungen oder ätherische Öle. Sie sind oft klebrig und zäh und könnten die Düse des Gerätes verstopfen.

Um die Bronchien zu weiten und die Sekretolyse zu unterstützen, kommen Sympathomimetika wie Salbutamol entweder zur Inhalation oder zum Einnehmen (wie Salbubronch® Elixier) zum Einsatz. Daneben eignen sich auch Anticholinergika wie Ipratropiumbromid (wie Atrovent®), das Sekretolytikum Ambroxol in Inhalatform oder das mukolytisch wirkende Tyloxapol (Tacholiquin®), um die Inhalatoren zu beschicken.

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