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Reflux und Sodbrennen

Was hilft wann?

Was stoppt Sodbrennen schnell – und was möglichst lange? Was hilft gegen den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre? Und was kann man auch während der Schwangerschaft empfehlen? Antworten liefert ein Vortrag im Rahmen von Expopharm Impuls. 
Maria Pues
27.08.2020  11:00 Uhr

Erkrankungen des Magens und/oder Darms sind ein häufiger Grund, warum Kunden zwecks Beratung die Apotheke aufsuchen. Besonders oft leiden sie an Säurebeschwerden durch gastroösophagealen Reflux. Seit Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) auch für die Selbstmedikation zugelassen sind, sind andere therapeutische Möglichkeiten in den Hintergrund geraten.

Zu Unrecht, sagte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Universität Frankfurt am Main, im Gespräch mit der PZ. »Zwar wirken PPI meist gut. Doch bis zu 30 Prozent der Patienten sprechen auf die Therapie nicht zufriedenstellend an.« Hinzu komme, dass bei akuten Beschwerden, bei denen eine rasche Linderung gewünscht ist, eine Hemmung der Säurepumpen oft zu spät spürbar wird. »Leidet der Patient nur selten an diesen Beschwerden, können die klassischen Antacida die Symptome meist rascher lindern.« Bei wiederholt auftretenden Beschwerden stellen PPI – zusammen mit dem Rat zu einer ärztlichen Untersuchung – eine gute Therapieoption dar, da sie einem Wiederauftreten der Beschwerden entgegenwirken.

Die Verminderung der Säuremenge im Magen verhindert nicht immer auch ein Zurückfließen von Mageninhalt in die Speiseröhre (Reflux). Denn Ursache für den Reflux ist eine Tonuserniedrigung des unteren Ösophagus-Sphinkters mit unzureichendem Verschluss, der durch eine Verminderung der Säuremenge nicht behoben wird. Eine nach den Mahlzeiten gebildete und auf dem Speisebrei schwimmende sogenannte Acid Pocket spielt hier eine wichtige Rolle, wenn sie – mitunter zusammen mit Speisebestandteilen – in die Speiseröhre gelangt.

Hier stellen Alginate – allein, aber auch in Ergänzung zu einem PPI – eine sinnvolle Therapieoption dar. »Das Alginat bildet zusammen mit der Magensäure ein Gel, das wie eine Luftmatratze auf dem Speisebrei schwimmt und so eine mechanische Barriere bildet, die den Rückfluss in die Speiseröhre erschwert«, erläuterte Schubert-Zsilavecz. »Apotheker sollten bei wiederkehrenden Beschwerden auch nach der Dauermedikation fragen«, ergänzte er. So könnten etwa Nitrate, Calciumantagonisten und trizyklische Antidepressiva den Ösophagus-Tonus erniedrigen.

In der Schwangerschaft tritt eine Refluxkrankheit besonders häufig auf. Rund ein Drittel bis die Hälfte der Schwangeren sind davon betroffen. Nicht medikamentöse Maßnahmen wie eine Ernährungsumstellung sollten laut Embryotox an erster Stelle stehen. So können etwa Schokolade, Pfefferminze oder fettreiche Nahrungsmittel die Beschwerden begünstigen. Leichtere Beschwerden können mit einem Antacidum oder einem H2-Antagonisten behandelt werden. Bei einer Refluxösophagitis kann der Arzt auch einen PPI verordnen. Von diesen ist Omeprazol der am besten untersuchte Wirkstoff. Auch Alginate stellen hier eine Therapieoption dar.

Insgesamt bilden Erkrankungen von Magen und Darm eine wichtige und weitreichende Domäne der Selbstmedikation. »Die Erkrankungen reichen vom genannten Sodbrennen und Reflux über Blähungen bis hin zu Obstipation und Diarrhö«, sagte Schubert-Zsilavecz. »Das Spektrum möglicher Therapieoptionen reicht von chemisch definierten Arzneistoffen über Phytopharmaka bis hin zu Nahrungsergänzungsmitteln.« Mehr zur leitliniengerechten Therapie gibt es im Online-Format Expopharm Impuls zu erfahren, das vom 5. bis 8. Oktober 2020 stattfindet.

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