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50 Jahre Krebsmedizin
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Was ein halbes Jahrhundert Forschung bewirkt hat

Die Krebsmedizin hat in den vergangenen fünfzig Jahren enorme Fortschritte erzielt. Laut aktuellem Bericht der American Association for Cancer Research (AACR) sind die Überlebensraten vieler Tumorerkrankungen deutlich gestiegen, nicht zuletzt dank zielgerichteter Therapien, geringerem Tabakkonsum und verbesserter Früherkennung. Doch die Erfolge sind ungleich verteilt.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 06.10.2026  13:30 Uhr

Fortschritte basieren nicht nur auf innovativen Arzneimitteln

Es wäre aber zu kurz gegriffen, den Erfolg allein neuen Arzneimitteln zuzuschreiben. Beim Lungenkarzinom ist der Rückgang des Rauchens von zentraler Bedeutung. Zugleich werden Tumoren häufiger in früheren Stadien erkannt. Der Anteil früh diagnostizierter Lungenkarzinome stieg in den USA zwischen 2003 und 2023 von 18 auf 33 Prozent.

Beim Mammakarzinom sank die Mortalität zwischen 1989 und 2024 um 44 Prozent. Dies entspricht nach Berechnungen des AACR rund 546.000 vermiedenen Todesfällen. Mammographie und zunehmend individualisierte Therapien haben daran wesentlichen Anteil. Beim kolorektalen Karzinom ging die Sterberate zwischen 1990 und 2024 um fast 50 Prozent zurück.

Der AACR-Bericht zeigt auch, wie stark sich das therapeutische Instrumentarium inzwischen ausdifferenziert hat. Allein zwischen Juli 2025 und Juni 2026 ließ die FDA elf neue Krebsmedikamente zu und erweiterte die Indikationen von fünf bereits verfügbaren Wirkstoffen. Zu den bemerkenswerten Entwicklungen gehören eine erste zielgerichtete Therapie für Gliom-Patienten sowie ein erster zugelassener PROTAC. Letzterer ist ein Wirkstoff, der das zelleigene Proteinabbausystem nutzt, um ein krankheitsrelevantes Protein gezielt zu eliminieren.

Hinzu kommen weitere Präzisionsmedikamente gegen molekular definierte Formen des Lungenkarzinoms. Auch die Immuntherapie erweitert ihren Aktionsradius. So sind Checkpoint-Inhibitoren inzwischen für 23 Tumorarten, erstmals nun auch beim Ovarialkarzinom, zugelassen.

Die beeindruckenden Erfolge dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie sehr ungleich verteilt sind. Eine Grafik im AACR-Bericht zum Überleben über fünf Jahrzehnte, die auch in dem News-Beitrag in Nature abgebildet ist, zeigt beispielsweise für das Pankreaskarzinom trotz aller Fortschritte lediglich einen Anstieg der Fünfjahresüberlebensrate von etwa 3 auf 14 Prozent. Für Patienten mit Glioblastom liegt sie aktuell sogar nur bei rund 7 Prozent. Dem stehen Werte von 92 Prozent beim Mammakarzinom und 98 Prozent beim Prostatakarzinom gegenüber.

Bei metastasierter Erkrankung schrumpft dieser Vorsprung allerdings drastisch. Dann beträgt die Fünfjahresüberlebensrate beim Brustkrebs nur 34 Prozent und beim Prostatakarzinom 40 Prozent.

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