Bei Hitze besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere und Stillende, ältere und pflegebedürftige Menschen sowie Personen mit chronischen Erkrankungen. Bei Älteren nimmt die Wärmeregulation ab, das Durstempfinden ist oft reduziert. Bei Demenzerkrankten kann die Körperwahrnehmung zusätzlich gestört sein. Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen müssen die Mehrarbeit des Herzens bei Vasodilatation kompensieren; Elektrolytverluste können Herzrhythmusstörungen begünstigen.
Bei chronischen Atemwegserkrankungen können eine durch Hitze erhöhte Atemfrequenz und eine von Hitzewellen häufig begleitende erhöhte Ozon-/Feinstaubbelastung eine Exazerbation fördern. Menschen mit Nierenerkrankungen können empfindlich auf Hypovolämie und Elektrolytverschiebungen reagieren. Wer im Freien arbeitet oder Sport treibt, kombiniert Hitze mit körperlicher Belastung – auch hier lohnt die proaktive Ansprache.
Hitze verändert Thermoregulation, Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt – und damit auch Pharmakokinetik und Verträglichkeit von Arzneimitteln. Für die Beratung haben sich vier Risikofelder bewährt. Erstens: Blutdruckabfall und Kreislaufrisiko. Vasodilatation kann die Wirkung von Antihypertensiva und Antianginosa verstärken; das Risiko für Schwindel, Stürze und Synkopen steigt. Hier sind Blutdruck-Selbstmessungen zu empfehlen und der Hinweis zu geben, die Arzneimitteldosierung nicht eigenständig zu ändern, sondern ärztlich abklären lassen.
Zweitens: Dehydrierung und Elektrolytstörungen – etwa unter Diuretika, SGLT-2-Inhibitoren, ACE-Hemmern, Laxanzien oder Lithium. Hier sollte aktiv das Trinkverhalten angesprochen und Warnzeichen wie Müdigkeit, Verwirrtheit, wenig oder dunkler Urin erklärt werden. Bei Risikopatienten gilt es, Kontrollen von Blutdruck, und Gewicht sowie von Elektrolyten und Nierenfunktion anzuregen. Unter einer Therapie mit Lithium sind aufgrund der geringen therapeutischen Breite Serumspiegelkontrollen essenziell.
Drittens: reduziertes Schwitzen beziehungsweise gestörte Thermoregulation, häufig bei anticholinerg wirksamen Substanzen (unter anderem trizyklische Antidepressiva, urologische Spasmolytika, Antipsychotika, sedierende H1-Antihistaminika), aber auch bei zentral wirksamen Sympathomimetika oder Opioiden. In der Offizin lohnt der Blick auf die anticholinerge Last und – wenn möglich – das Anregen eines Wechsels auf besser verträgliche Alternativen.
Viertens: verstärkte Arzneimittelwirkung durch veränderte Pharmakokinetik. So kann Insulin bei Hitze schneller anfluten (Hypoglykämierisiko), weshalb eine engmaschige Blutzuckerkontrolle wichtig ist. Transdermale therapeutische Systeme (TTS), zum Beispiel Fentanyl-, Buprenorphin-, Nikotin-, Rivastigmin- oder Rotigotin-Pflaster, können bei erhöhter Hautdurchblutung mehr Wirkstoff freisetzen. Patienten sollten sich vor direkter Sonneneinstrahlung und Erwärmung schützen, das Apothekenteam kann zu Überdosierungszeichen aufklären. Bei entsprechendem Verdacht sollte das TTS entfernt und ein Arzt befragt werden.
Zudem kann durch Hitze die renale Elimination reduziert sein. Dies ist besonders kritisch bei Arzneimitteln mit geringer therapeutischer Breite wie Lithium, Herzglykosiden und Antiarrhythmika wie Sotalol oder Flecainid. Auch hier gilt, Aufklärung zu Überdosierungszeichen und bei Verdacht ärztliche Abklärung.