| Johanna Hauser |
| 25.03.2026 09:00 Uhr |
Was wie eine bequeme Kissenlandschaft wirkt, erweist sich für den Augeninnendruck als nicht vorteilhaft. / © Adobe Stock/WavebreakMediaMicro
Können nicht pharmakologische Maßnahmen eine praktische Lösung zur Behandlung eines nächtlichen Anstiegs des Augeninnendrucks darstellen? Dieser Frage ging ein Team um Tong Liu von der Zhejiang Universität in China nach. Die kleine Studie wartet mit einem interessanten Ergebnis auf.
Bei 144 Glaukom-Patienten wurden der Augeninnendruck (IOP) und okuläre Perfusionsdruck (OPP) sowohl in Rückenlage als auch in Seitenlage mit einem dicken Kissen gemessen. Ist der Kopf beim Schlafen dadurch um 20 bis 35° erhöht gelagert, steigt der Augeninnendruck, während gleichzeitig der okuläre Perfusionsdruck abnimmt. Grund dafür könnte eine Kompression der Halsvene sein, heißt es in der im »British Journal of Ophthalmology« veröffentlichten Studie.
Die Teilnehmer unterzogen sich einer 24-Stunden-IOP-Messung, die alle zwei Stunden im Sitzen am rechten Auge durchgeführt wurde (07:30 Uhr bis 21:30 Uhr). Für die nächtlichen vier Messungen zwischen 23.30 Uhr und 5:30 Uhr, wurden die Teilnehmer angewiesen, in Rückenlage einzuschlafen. Zu den jeweiligen Messzeiten wurde der IOP zunächst in Rückenlage und nach zehn Minuten Seitenlage mit erhöhtem Kissen erneut bestimmt. Dann durften die Patienten in Rückenlage weiterschlafen. Während des Beobachtungszeitraums wendeten die Teilnehmer ihre jeweilige lokale Glaukomtherapie weiter an.
Für die Auswertung bildeten die Wissenschaftler Mittelwerte aus den Werten in Rückenlage sowie aus den Werten in erhöhter Seitenlage. Die 24-Stunden-Schwankung des IOP wurden mithilfe aller Messpunkte bestimmt. Der OPP wurde mithilfe des mittleren arteriellen Blutdrucks und des IOP ermittelt.
Alle drei Faktoren (Anstieg des IOP und der 24-h-Schwankung, Abnahme des OPP) stellen Risikofaktoren für die Progression eines Glaukoms dar. Lagen die Teilnehmer auf einem dicken Kissen, war der Augeninnendruck signifikant höher als in Rückenlage (17,42 mmHg gegenüber 16,62 mmHg). Der Positionswechsel vom Rücken auf die Seite führte median zu einem Anstieg um 1,88 mmHg.
Auch waren die 24-Stunden-Schwankungen des IOP mit durchschnittlich 2,60 mmHg stärker ausgeprägt, wenn die Teilnehmer erhöht schliefen. Beim Schlafen In der Rückenlage hingegen betrug die mittlere Schwankung 2,26 mmHg.
Der OPP sank in der erhöhten Position stärker ab (auf 54,6 mmHg gegenüber 58,7 mmHg). Der OPP ist für den Blutfluss in den intraokularen Gefäßen verantwortlich und ist entscheidend für die Versorgung des Sehnervkopfes.
Ob die höheren IOP-Werte durch eine erhöhte Position des Kopfes tatsächlich auf eine Stauung der Halsvene zurückzuführen sein könnten, wurde bei 20 gesunden Probanden per Ultraschall in beiden Positionen untersucht. Lagen die Probanden entsprechend auf der Seite, verengte sich das Lumen der Halsvene signifikant. Dadurch war der venöse Abfluss eingeschränkt, was wiederum den episkleralen Venendruck – einen wichtigen Parameter für den Augeninnendruck – erhöht.
Die Messung bestätigte die Vermutung der Forscher, dass der Augeninnendruck steigt, wenn die Halsvene durch eine seitliche Liegeposition mit erhöhtem Kopf verengt wird.
Das Team um Liu folgert daher, dass es für Glaukom-Patienten vorteilhaft sein könnte, Schlafpositionen zu vermeiden, bei denen die Halsvene komprimiert wird. Dies sei eine potenziell wirksame und einfache Maßnahme, um den Augeninnendruck ergänzend zur medikamentösen Therapie zu optimieren.