In Deutschland mangeltes an Spenderorganen, obwohl 2025 mit 985 Spendern den höchsten Stand seit 2012 erreicht wurde. Demgegenüber stehen rund 8200 Menschen, die ein Organ benötigen. / © Getty Images/Plan Shooting 2/Imazins
Am ersten Samstag im Juni findet der »Tag der Organspende« statt – schon seit 1983 macht der Aktionstag auf das Thema »Organspende« aufmerksam. Die zentrale Veranstaltung findet jedes Jahr in einem anderen Bundesland statt. In diesem Jahr in Sachsen, im Rahmen des Leipziger Stadtfestes am 6. und 7. Juni.
Immer wieder wollen Angehörige den Wunsch sterbender Familienmitglieder erfüllen, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Werden die Voraussetzungen für eine Organspende nicht erfüllt, müssen Ärzte dies jedoch ablehnen. Solche Situationen seien keine Ausnahme, sagt Dr. Farid Salih, Oberarzt an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité.
Der Grund liege in der deutschen Rechtslage. Organe dürfen bislang nur nach einer Hirntodfeststellung entnommen werden. Diese liegt vor, wenn sämtliche Hirnfunktionen unumkehrbar ausgefallen sind. Die Diagnose sei in Deutschland besonders streng geregelt, sagt der Neurologe. Liege kein Hirntod vor, dürften Organe nach derzeitiger Rechtslage nicht entnommen werden - auch dann nicht, wenn sterbende Personen oder Angehörige eine Spende ausdrücklich wünschten.
In vielen anderen europäischen Ländern sei dagegen auch eine Organspende nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand möglich. Während der Hirntod als unumkehrbar gilt, können Menschen nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand manchmal wiederbelebt werden. Aber wenn das Herz dauerhaft nicht mehr schlägt, wird das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt. Nach drei bis fünf Minuten beginnen Gehirnzellen abzusterben. Irgendwann wird der Hirntod eintreten - wie lange das dauert, hängt von vielen Faktoren ab, etwa dem Alter.
Die Debatte trifft auf einen anhaltenden Mangel an Spenderorganen. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) standen Ende 2025 bundesweit rund 8.200 Menschen auf der Warteliste. Die Warteliste bilde das tatsächliche Ausmaß des Problems jedoch nicht vollständig ab, sagt Professor Dr. Felix Schönrath, kardiologischer Leiter des Herztransplantationsprogramms am Deutschen Herzzentrum der Charité. »Zur Realität gehört eben auch dazu, dass viele der Menschen, die ein Organ benötigen, in Deutschland gar nicht mehr auf die Organspendenliste kommen«. Manche schwer kranke Patienten würden gar nicht erst aufgenommen, weil ihre Aussichten auf eine rechtzeitige Transplantation zu gering seien.