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GKV-Spargesetz 
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Warnung vor fehlenden Kinderarzneimitteln 

Das geplante GKV-Spargesetz sieht auch neue Regeln zur Preisgestaltung bei Arzneimitteln vor. Der Hersteller Infectopharm warnt jetzt, dass viele neue Kinderarzneimittel künftig nicht mehr auf den deutschen Markt kommen könnten. 
AutorKontaktPZ
Datum 07.05.2026  15:50 Uhr

Das im hessischen Heppenheim ansässige Pharmaunternehmen Infectopharm warnt in einem offenen Brief, dass das geplante Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu Versorgungsengpässen, insbesondere bei Kinderarzneimitteln, führen werde. 

In dem Schreiben erklärt das Unternehmen, dass es in seinen Zielen – genannt werden mehr Versorgungssicherheit, bessere Kinderarzneimittel und regelmäßige Schrittinnovationen für Nischenindikationen – durch das Gesetz massiv ausgebremst werde. Die Reform werde dazu führen, dass notwendige Medikamente für Kinder vom deutschen Markt verschwinden oder niemals auf diesen gelangen. 

Anstoß der Kritik sind die geplanten verschärften Regeln zur Preisgestaltung. Aktuell gelte ein Preismoratorium aus dem Jahr 2009, das vorschreibe, dass ein neues Produkt nicht teurer sein dürfe als ein vom selben Unternehmen entwickeltes Vergleichsprodukt. Doch künftig solle sich der Preis eines neuen Präparates am niedrigsten existierenden Marktpreis eines Produkts mit demselben Wirkstoff und vergleichbarer Darreichungsform orientieren.

Keine Innovationen mehr? 

Das habe laut Infectopharm zur Folge, dass in Deutschland bald keine neuen Produkte mit bekanntem Wirkstoff für neue Indikationen oder mit kindgerechten Darreichungsformen mehr entwickelt werden. »Das Gesetz setzt pharmakologisch völlig unterschiedliche Produkte allein auf Basis von Wirkstoff und Darreichungsform gleich«, klagt Philipp Zöller, Geschäftsführender Gesellschafter von Infectopharm. »Diese Innovation wird schlicht nicht stattfinden.«

Das geplante GKV-Spargesetz schaffe erhebliche Investitionsrisiken. »Entwickelt Unternehmen A über fünf Jahre eine kindgerechte Formulierung gegen eine bestimmte Erkrankung und bringt Unternehmen B kurz vor der Markteinführung – vollständig unabhängig – ein Produkt mit demselben Wirkstoff, aber für eine andere Indikation zu einem günstigeren Preis auf den Markt, kollabiert der erlaubte Preis für das Kinderpräparat sofort«, heißt es in dem offenen Brief. Millionen Euro an Investitionen und jahrelange Entwicklungsarbeit seien dann umsonst gewesen.

Infectopharm appelliert daher an das Bundesministerium für Gesundheit und den Bundestag, die geplante Ausweitung des Preismoratoriums auf den Gesamtmarkt zu überprüfen und ersatzlos zu streichen.

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