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Training nicht zu früh starten

Wann Sport mit einem Infekt gefährlich wird

Sport fördert eigentlich die Gesundheit. Doch bei viralen Infekten wie Erkältungen oder gar einer Grippe kann Training riskant sein. Das gilt insbesondere für ambitionierte Hobbyathleten.
dpa
29.12.2021  09:00 Uhr
Wann Sport mit einem Infekt gefährlich wird

Sport gilt als gesund und stärkt in aller Regel das Immunsystem. Doch wer bei einem grippalen Infekt keine Pause macht oder wenigstens die Intensität reduziert, geht unter Umständen ein hohes Risiko ein. Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit, in der deutlich mehr Viren unterwegs sind und Menschen eher krank werden, ist Vorsicht geboten.

Manchmal kann ein verschleppter Infekt auf das Herz schlagen. Zwar hat eine Myokarditis nach Angaben der Deutschen Herzstiftung in etwa einem von fünf Fällen eine bleibende Herzschwäche zur Folge und kann manchmal sogar zum Herztod führen. «Eine Herzmuskelentzündung sehen wir aber zum Glück sehr selten», sagt der Leitende Olympiaarzt Professor Dr. Bernd Wolfarth von der Berliner Charité. Falsches Sporttreiben führe eher zu Infekten der oberen Atemwege.

Als weitere mögliche Folgen nennt der Sportmediziner Privatdozent Dr. Felix Post unter anderem Asthma oder Muskelverletzungen. Muskelfaserrisse und ähnliches könnten entstehen, weil durch die Entzündung mehr schädliche freie Radikale im Körper zirkulierten, erklärt der Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Kardiologie am Katholischen Klinikum Koblenz - Montabaur. Zudem leide die Propriozeption, also die Wahrnehmung des eigenen Körpers im Raum, und die Muskeln arbeiteten weniger koordiniert.

Auch wenn bei leichten Erkältungen dosierte Bewegung wie ein Spaziergang die Heilung unterstützt: «Wenn man das Gefühl hat, man hat einen Infekt mit einem schweren Krankheitsgefühl, dann sollte man keinen Sport machen», sagt Post.

«Neck Check» liefert Hinweise

Doch wo genau liegt die Grenze? Einen ersten Hinweis bietet der sogenannte «Neck Check», wie die beiden Experten bestätigen. Das heißt: Symptome oberhalb des Nackens (englisch: «Neck») wie Schnupfen oder leichtes Kopfweh lassen körperliche Aktivität in der Regel noch zu, zumindest solche mit niedriger Intensität.

Hat eine Erkrankung aber nicht nur diese «lokalen», sondern auch «systemische» Effekte, dann sollte man auf Sport verzichten, sagt Wolfarth. Damit meint der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) etwa Gliederschmerzen, geschwollene Lymphknoten – und vor allem Fieber.

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