Viele Psychedelika sind Naturstoffe. Psilocybin beispielsweise ist ein Inhaltsstoff von Pilzen der Gattung Psilocybe (Kahlköpfe). / © Adobe Stock/24K-Production
Die Renaissance der Psychedelika in der Neuropsychiatrie währt schon eine Weile. In zahlreichen Studien der letzten Jahre konnte gezeigt werden, dass die Anwendung von bewusstseinserweiternden Substanzen unter kontrollierten Bedingungen positive Effekte etwa bei Patienten mit Depressionen oder auch posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) haben kann. Einen Zulassungsantrag für MDMA (Methylendioxy-N-methylamphetamin) in der Indikation PTBS lehnte die US-Behörde FDA vor anderthalb Jahren jedoch ab.
MDMA, das auch als »Ecstasy« bekannt ist, zählt als Amphetaminderivat zwar nicht zu den klassischen Psychedelika, doch scheiterte seine Zulassung letztlich an Problemen, die auch die Psychedelika haben – und die gelöst werden müssen, bevor entsprechende Wirkstoffe als Arzneimittel zugelassen werden können. Auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) benennt mittlerweile in ihren Guidelines Besonderheiten der Psychedelika, umreißt ihre Vorstellungen davon, wie diese Besonderheiten in Studien adressiert werden sollten, und bietet Firmen, die entsprechende Präparate entwickeln, wissenschaftliche Beratung an.
Diese Sonderrolle verdanken die Psychedelika ihrer besonderen Wirkung, die sich grundlegend von denen anderer zugelassener Psychopharmaka – mit Ausnahme vielleicht des Esketamins – unterscheidet. Klassische Psychedelika wie Lysergsäurediethylamid (LSD), Mescalin, Psilocybin und Dimethyltryptamin (DMT) sind Agonisten am 5HT2A-Serotoninrezeptor (siehe Kasten). Ihre Einnahme führt zu einem Bewusstseinszustand, der von Veränderungen der Emotion, des Selbst-Erlebens, der Sinneswahrnehmung und der Aufmerksamkeit gekennzeichnet ist. Oft geht die psychedelische Erfahrung mit einem Gefühl einher, das als »ozeanische Entgrenzung« beschrieben und positiv erlebt wird.
Psychedelika sind Substanzen, die zu charakteristischen Veränderungen der Wahrnehmung von Sinnesreizen und des Ich-Erlebens führen. Der Begriff setzt sich zusammen aus den altgriechischen Wörtern für »Seele« (psyché) und »offenbar« (dẽlos), kann also frei mit »die Seele offenlegend« übersetzt werden. Klassische Psychedelika wirken agonistisch am serotonergen HT2A-Rezeptor und sind häufig Naturstoffe: Psilocybin stammt aus Pilzen der Gattung Psilocybe (Kahlköpfe), LSD ist ein semisynthetisches Derivat des Mutterkornalkaloids Lysergsäure aus Claviceps purpurea, DMT ist Hauptbestandteil des Pflanzensuds Ayahuasca, der von indigenen Völkern der Amazonasregion in spirituellen Zeremonien verwendet wird, Mescalin kommt in mittel- und südamerikanischen Kakteen wie Lophophora williamsii vor.
Atypische Psychedelika sind Substanzen, die ähnliche Effekte vermitteln, aber andere Neurotransmitter modulieren. Hierzu zählen etwa Ketamin und Lachgas (N2O), die antagonistisch am N-Methyl-D-Aspartat-(NMDA-)Glutamatrezeptor wirken. MDMA wirkt über eine Stimulation der Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin als indirektes Sympathomimetikum. Es wird weder zu den klassischen noch zu den atypischen Psychedelika gezählt, aber in ähnlichen Indikationen wie diese erforscht.