| Cornelia Dölger |
| 30.06.2026 14:20 Uhr |
Der elektronische Medikationsplan soll den bundeseinheitlichen analogen Medikationsplan ablösen. Er soll demnächst getestet werden. Der Starttermin für die Erprobungsphase schwankt allerdings. / © Getty Images/Ruslan Maiborodin
Die Testphase in den TI-Modellregionen sollte am 15. Juli beginnen und bis Ende Oktober laufen. Im April hatte die Gematik angekündigt, dass der E-Medikationsplan (eMP) mit der ePA-Version 3.1.3 eingeführt werden und im dritten Quartal in den Modellregionen Hamburg und Franken erprobt werden soll. Der bundesweite Rollout war für Januar 2027 geplant.
Mit dem Zeitplan ist man aber in Verzug, zumindest befürchtet die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), dass schon der Starttermin für die Testphase nicht zu halten sein könnte. »Nach unseren Informationen werden erst Ende August erste Module zur Verfügung stehen, sodass man sie erproben kann. Und diese Module kommen auch nur von wenigen Herstellern mit einer Marktabdeckung von gerade einmal 25 Prozent«, so KBV-Vorständin Sibylle Steiner zum Ärztenachrichtendienst (änd). Vorgesehen war Steiner zufolge, dass in den Modellregionen Systeme mit einer Marktabdeckung von 80 Prozent getestet werden sollten, was bis dato nicht annähernd erreicht sei. Wann die übrigen Hersteller liefern könnten, sei unklar. »Damit ist jetzt schon absehbar, dass der Zeitplan so nicht zu halten ist.«
Dem widerspricht die Gematik. Der Plan für die Pilotierung stehe, heißt es in einer knappen Mitteilung auf PZ-Anfrage. »Start ist ab Mitte Juli vorgesehen«, so eine Sprecherin. Details zur Pilotierung würden folgen.
Steiner bezweifelt, dass mit der bundesweiten Einführung ausreichend Module zur Verfügung stehen und diese dann auch ausreichend getestet und für den Praxisalltag tauglich sind. Hierfür müsse aus KBV-Sicht sichergestellt sein, dass die Daten aus dem bundeseinheitlichen Medikationsplan automatisch in den E-Medikationsplan einfließen und sie nicht händisch eingepflegt werden müssen. Der eMP soll den 2016 eingeführten bundesweit einheitlichen Medikationsplan perspektivisch ablösen, der größtenteils in Papierform vorliegt.
Wie die Hersteller diese Verfahrensanweisung umsetzen, müsse eben getestet werden, so Steiner. Eine Erstellung des E-Medikationsplans aus der E-Medikationsliste (eML) sei jedenfalls »aufwendig und keine Alternative für bestehende Medikationspläne«.
eMP und eML sind in ihren Funktionen zu unterscheiden; die des eMP gehen über die der eML hinaus. Die eML wird in der elektronischen Patientenakte (ePA) größtenteils automatisch befüllt. Sie enthält vor allem Daten aus eingelösten E-Rezepten und gibt einen Überblick darüber, welche Arzneimittel verordnet und in der Apotheke abgegeben wurden.
Der eMP hingegen wird aktiv gepflegt und soll eine Übersicht über die aktuelle Medikation bieten. Er enthält zusätzliche Informationen wie Dosierungen, Einnahmehinweise, Einnahmegründe, Therapieänderungen oder auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente.
Steiner sagte dem änd, sie habe an die Gematik und ans Bundesgesundheitsministerium (BMG) appelliert, den Zeitplan für den E-Medikationsplan »mit realistischen Fristen anzupassen«.