| Annette Rößler |
| 29.05.2026 14:00 Uhr |
Menschen, die mit einem DOAK behandelt werden, sollten wegen des Blutungsrisikos als Schmerzmittel statt NSAR lieber Coxibe erhalten. Das gilt insbesondere für Frauen. / © Getty Images/Ekaterina Goncharova
Selektive Hemmer der Cyclooxygenase-2 (COX-2-Hemmer, Coxibe) wie Etoricoxib wurden entwickelt, um einen Nachteil der klassischen NSAR auszugleichen: Letztere hemmen außer der COX-2 auch die COX-1, was mit einer schlechteren Nierendurchblutung und einem erhöhten Risiko für Blutungen im Gastrointestinaltrakt einhergeht. Gänzlich verschwunden sind diese Nebenwirkungen bei den Coxiben zwar nicht, aber weniger häufig – ein Vorteil, der laut einer aktuellen Publikation im Fachjournal »JAMA Network« auch bei Patienten zum Tragen kommt, die infolge der Anwendung eines DOAK ein erhöhtes Blutungsrisiko haben.
Ein Team um Dr. Fabian Maximilian Meinert von der Berliner Charité wertete im Rahmen der Untersuchung elektronische Patientendatenbanken aus Großbritannien und Kanada aus. Herangezogen wurden Erwachsene, die aufgrund von Vorhofflimmern ein DOAK erhielten und die zwischen 2011 und 2020 mit einem NSAR oder einem Coxib behandelt worden waren. Insgesamt waren es 37.833 Behandlungsepisoden bei 30.240 Teilnehmenden (Durchschnittsalter 72 Jahre, Frauenanteil 43 Prozent). Dabei wurden in 45 Prozent der Fälle ein Coxib und in 56 Prozent der Fälle ein NSAR eingesetzt.
Die gleichzeitige Anwendung eines DOAK und eines Coxibs war dabei mit einem signifikant niedrigeren Blutungsrisiko verbunden: Die gepoolten gewichteten Hazard Ratios betrugen 0,63 für gastointestinale Blutungen und 0,54 für Blutungen an anderen Lokalisationen, jeweils verglichen mit der Anwendung eines NSAR. Bei Frauen war der Vorteil für die Coxibe hinsichtlich Blutungen im Magen-Darm-Trakt deutlicher (gepoolte gewichtete Hazard Ratios 0,50 für Frauen und 0,85 für Männer). Das Alter, weitere parallel angewendete Arzneimittel und das Ausgangs-Blutungsrisiko hatten keinen Einfluss auf das Ergebnis. Ebenfalls unerheblich war, welches DOAK angewendet wurde.
In Studien mit Patientenkollektiven ohne orale Antikoagulation sei mit Coxiben im Vergleich zu NSAR teilweise eine Reduktion des Risikos für gastrointestinale Blutungen um 60 Prozent zu verzeichnen gewesen, schreiben die Autoren. Demgegenüber falle die hier beobachtete Risikoreduktion geringer aus. Dennoch solle in diesem Hochrisiko-Kollektiv der Vorteil der Coxibe genutzt werden und Patienten unter einer DOAK-Therapie sollten als Schmerzmittel statt NSAR bevorzugt Coxibe erhalten.