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Pseudoephedrin-Vergiftungen
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Vor allem Unter-Sechsjährige sind betroffen

Pseudoephedrin kommt in Kombinationspräparaten gegen Erkältung und Allergien vor, die nicht für Kinder zugelassen sind. Trotzdem betreffen die häufigsten Anfragen bei Giftinformationszentren Kinder unter sechs Jahren, zeigt eine neue Auswertung. Ärzte und Apotheker sollten mehr aufklären.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 13.08.2026  15:00 Uhr

Pseudoephedrin ist ein Sympathomimetikum und wirkt abschwellend auf die Schleimhäute, hat aber auch stimulierende Effekte und birgt ein gewisses kardiovaskuläres Risiko. In Deutschland ist es in Kombinationspräparaten mit Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Paracetamol oder H1-Antihistaminika erhältlich. Arzneimittel mit Pseudoephedrin sind bei Kindern unter zwölf Jahren grundsätzlich kontraindiziert.

Trotzdem scheinen jüngere Kinder immer wieder damit in Berührung zu kommen. Eine Anfrage von Forschenden des Pharmakologischen Instituts der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bei den deutschen Giftinformationszentren zu allen Pseudoephedrin-Meldungen hat ergeben, dass Unter-Sechsjährige am häufigsten betroffen waren.

Drei der sieben regionalen Giftinformationszentren stellten ihre Daten von 2004 bis 2024 für die Analyse zur Verfügung, berichtet das Autorenteam um  Funda Gezgin aktuell im Fachjournal »Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology«: 136 Fälle aus Erfurt, 175 aus Göttingen und 210 aus München. Zwölf Fälle betrafen Säuglinge, während es sich beim Löwenanteil mit 216 Fällen um Ein- bis Sechsjährige handelte. Zu den Sechs- bis 14-Jährigen gab es 74 Anrufe und zu 14- bis 18-Jährigen 35 Fälle. 148 Fälle betrafen 18- bis 65-Jährige und nur drei Fälle Über-65-Jährige.

Insgesamt am häufigsten betroffen waren Kombipräparate mit ASS. Es traten insgesamt vor allem kardiovaskuläre, neurologische und gastrointestinale Symptome auf, seltener auch psychiatrische, dermatologische, pulmonale, okulare und renale.

Am häufigsten sind unbeabsichtigte Vergiftungen, nur selten Medikationsfehler

Informationen, warum es zur Vergiftung kam, lagen nur für das Giftinformationszentrum München vor. Am häufigsten wurden häusliche Unfälle, also unbeabsichtigtes Verschlucken, genannt (152 Fälle). Am zweithäufigsten handelte es sich um Suizidversuche (23 Fälle). Zudem traten sieben Fälle von Arzneimittelmissbrauch oder parasuizidalem Verhalten auf. Bei Letzterem handelt es sich um einen absichtlichen Suizidversuch, der nicht in primär selbsttötender Absicht, sondern in der Hoffnung auf Rettung erfolgt.  Zehn Notrufe betrafen unerwünschte Arzneimittelwirkungen und zwei einen Medikationsfehler.

Meist wurden die Medikamente verschluckt, einmal kam es jedoch zu einer Inhalation, und in zwei Fällen geschah die Intoxikation über das Stillen.

Bei Abgabe besser aufklären, vor allem bei Kindern im Haushalt

Die Forschenden stellten fest, dass es in den letzten Jahren eine Zunahme der gemeldeten Vergiftungen mit Pseudoephedrin-haltigen Kombipräparaten gab. »Als vorbeugende Maßnahme wäre es ratsam, dass Ärzte – insbesondere Kinderärzte – und Apotheker die Patienten besser aufklären, um das Bewusstsein für die Risiken zu schärfen«, schreiben die Pharmakologen. Auch öffentliche Plattformen könnten genutzt werden, um die Aufklärungsarbeit auszuweiten. Zudem könnten strengere Abgabevorschriften und eine sorgfältige Überprüfung auf Kontraindikationen dazu beitragen, die Häufigkeit von Pseudoephedrin-Vergiftungen zu verringern.

Insgesamt lasse sich sagen, dass Pseudoephedrin-Vergiftungen klinisch relevant sind und nicht unterschätzt werden sollten.

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