| Alexandra Amanatidou |
| 28.08.2026 15:00 Uhr |
Eva von Angern ist die Spitzenkandidatin der Partei Die Linke für die Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt. / © Olaf Krostitz
Vor Kurzem hatte von Angern »das Glück«, einen Apotheker aus Haldensleben zu treffen, der sie für das Thema des Online-Versandhandels sensibilisiert hat. »Wir sind wirklich vehemente Gegner der Online-Apotheke«, sagt von Angern gegenüber der PZ und betont dabei die Bedeutung der Beratung, die in den Apotheken stattfindet. Die Apotheken würden die »Übersetzung« der Packungsbeilagen für die Patientinnen und Patienten übernehmen. Für sie sei es »unfassbar, dass man meint, das würden Apotheker ehrenamtlich machen«. Sie fordert eine Vergütung für die Beratung. Am Ende des Tages könne ein Medikament noch so gut sein, es bringe nichts, »wenn es nicht so eingenommen wird, wie es vorgeschrieben ist«.
Um die Gesundheitsversorgung sicherzustellen, will die Spitzenkandidatin der Linken unter anderem Apotheken bei der Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen im Gesundheitswesen, etwa Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern, unterstützen. Auch bei der Gesundheitsversorgung auf dem Land müsse man kreativer werden, etwa durch mobile Angebote.
Sie findet die Idee einer Landapothekerquote »charmant«. Es sei ein Fakt, dass ein »Ungleichgewicht« zwischen der Zahl der Apotheken auf dem Land und in der Stadt herrsche. Gemeinsam mit den zuständigen Berufsverbänden und der Kammer möchte sie ein Konzept entwickeln, um in einem so dünn besiedelten Land wie Sachsen-Anhalt ein flächendeckendes Apothekennetz zu realisieren.
Um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, will die Linke in Sachsen-Anhalt die Befugnisse der Heilberufe ausweiten. Bei städtebaulichen Planungen möchte die Partei eine wohnortnahe Versorgung mit Apotheken und Arztpraxen für den täglichen Bedarf sicherstellen. Zudem fordert sie eine Landeskinderarztquote und eine Landeszahnarztquote. Darüber hinaus will die Linke den Einsatz von Medimobil und Telemedizin für die ambulante medizinische Versorgung auf dem Land fördern.
Sie will eine Brückenqualifizierung für ausländische Fachkräfte einführen. Dabei handelt es sich um ein zwölfmonatiges Programm, mit dem unterschiedliche Qualifizierungen an die im Land geltenden Ausbildungsstandards angeglichen werden sollen.
Die notwendigen Betriebskosten der Krankenhäuser sollen von den Krankenkassen »vollständig« finanziert werden. Zudem soll eine Entökonomisierung und Rekommunalisierung erfolgen. Mit einer solidarischen Pflegevollversicherung auf Bundesebene will die Linke pflegebedingte Eigenanteile abschaffen. Außerdem unterstützt die Linkspartei die Gewerkschaften »im Kampf um gute und flächendeckende Tarifverträge« und setzt sich für die »längst überfällige Angleichung der Löhne an das westdeutsche Niveau« ein.
Die Linke will sich auch weiterhin dafür einsetzen, seltene Erkrankungen sichtbarer zu machen. Zu diesem Zweck sollen unter anderem Notärztinnen und Notärzte zu seltenen, notfallrelevanten Krankheitsbildern verpflichtend und regelmäßig fortgebildet werden. Auch Stigmata gegenüber Menschen mit psychischen Problemen oder HIV/STI will sie durch Aufklärung, insbesondere des medizinischen Fachpersonals, abbauen. Darüber hinaus sollen die gesundheitlichen Bedürfnisse von Menschen in der Sexarbeit stärker berücksichtigt werden.
Außerdem fordert sie eine »verpflichtende Vorhaltung von Möglichkeiten zum Schwangerschaftsabbruch in Wohnortnähe« sowie die »verpflichtende Aufnahme des Themas Schwangerschaftsabbruch ins Curriculum der ärztlichen Ausbildung«.
Die 50-Jährige ist seit 2002 Abgeordnete im Landtag von Sachsen-Anhalt und seit 2020 Fraktionsvorsitzende. Die Juristin ist Mitbegründerin des überparteilichen Bündnisses »Netzwerk gegen Kinderarmut«. Für die Landtagswahl im Jahr 2021 erarbeitete die Magdeburgerin gemeinsam mit dem damaligen Linken-Landeschef Stefan Gebhardt ein Thesenpapier mit dem Titel »Nehmt den Wessis das Kommando!« Darin warf sie Westdeutschen »Ausbeutung« und eine »Unkultur der Verachtung« vor.