| Alexandra Amanatidou |
| 26.08.2026 18:00 Uhr |
Susan Sziborra-Seidlitz ist die Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026. / © Julia Steinigeweg
Im Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen für Sachsen-Anhalt werden Apotheken kaum erwähnt. »Das stimmt. Möglicherweise ist das ein Versäumnis«, räumt Sziborra-Seidlitz direkt zu Beginn des Interviews ein. Im Vergleich zu anderen Bundesländern habe Sachsen-Anhalt jedoch ein »gutes Apothekennetz«. Das wird auch durch Zahlen der ABDA bestätigt. Demnach weisen Sachsen-Anhalt und das Saarland die höchste Apothekendichte auf. »Aber natürlich ist es auch entscheidend, dass das so bleibt, weil Apotheken ein elementarer Teil der Gesundheitsversorgung sind«, so die Grünen-Spitzenkandidatin.
Für sie ist eine vernetzte Gesundheitsversorgung eine bessere Gesundheitsversorgung. Um dieses Ziel zu erreichen, kann sie sich den Ausbau von kommunalen Gesundheitszentren in Sachsen-Anhalt vorstellen, zu denen auch Apotheken gehören würden. Dabei handelt es sich um Einrichtungen, die von Städten oder Gemeinden getragen oder unterstützt werden und die medizinische und pflegerische Versorgung der Bevölkerung direkt vor Ort sicherstellen.
Zum Thema Dispensierrecht sagt die ausgebildete Pflegerin: »Ich glaube, dass es auch gut und richtig ist, dass Ärzte und Apotheker unterschiedliche Berufe haben, unterschiedliche Dinge lernen und dass man gerade in der Gesundheitsversorgung die Dinge denjenigen überlassen sollte, die Expertinnen und Experten in ihrem Fach sind.« Dennoch ist sie der Meinung, dass es in manchen Fällen die Dinge unkomplizierter machen könnte. Zum Beispiel bei der kurzfristigen Versorgung mit Medikamenten und der Frage nach gebrauchsfertig verpackten Medikamenten, also individuell verblisterten Medikamenten. Dies könnte insbesondere bei älteren und an Demenz erkrankten Patienten helfen, die zu Hause versorgt werden müssen.
Bündnis 90/Die Grünen will die Schulgeldfreiheit und eine Ausbildungsvergütung in allen Gesundheits- und Pflegeberufen garantieren sowie die Akademisierung dieser Berufe voranbringen. »Prävention und Gesundheitsförderung sollen als Querschnittsthemen konsequent in Studium und Ausbildung aller Gesundheitsberufe umgesetzt werden«, heißt es im Wahlprogramm.
Das Projekt »Clearingstelle und anonymer Krankenschein« soll nach dem Willen der Grünen wieder aufgelegt werden. Auch Cannabisclubs sollen ohne unnötige bürokratische Hürden gegründet werden können. Zudem sollen Drug-Checking-Projekte etabliert werden. Die Grünen setzen sich außerdem für die Legalisierung von Drogenkonsumräumen ein und unterstützen deren Aufbau in den Kommunen strukturell. Darüber hinaus wollen sie ein flächendeckendes Werbeverbot für neue Formen des Rauchens, wie E-Zigaretten.
Die Grünen setzen sich außerdem besonders für die »Rekommunalisierung von Krankenhäusern« ein. Zudem planen sie die Gründung eines Landeszentrums für angewandte Telemedizin und -pflege. Sie wollen die Pflegeinfrastruktur deutlich verbessern, etwa durch Kurzzeitpflegeplätze und integrierte Wohnformen wie die Pflege im Quartier. Auch Einzelzimmer und eigene Inneneinrichtung wollen sie in Pflegeheimen etablieren.
Auch vorbeugende Maßnahmen gegen die Folgen der Klimakrise halten die Grünen für nötig, wie etwa kommunale Hitzeschutzpläne oder Hitzeschutzkonzepte für Krankenhäuser. Außerdem möchten sie die Professur »Geschlechtersensible Medizin« an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg dauerhaft sichern. Darüber hinaus möchten sie das Thema Gewalterfahrungen unter der Geburt aufgreifen und dafür sensibilisieren. Auch die bestehenden Endometriose-Fachzentren sollen ausgebaut werden. »Verhütung darf kein Luxus sein«; sie soll kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
Die ausgebildete Pflegerin ist seit 2021 Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt. Von Juni 2016 bis November 2021 sowie seit Mai 2025 ist sie Co-Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt. Die 49-Jährige hat ein Bachelor-Studium im Bereich »Interprofessionelle Gesundheitsversorgung« an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin abgeschlossen.
Im Jahr 2019 musste sie eine beleidigende Formulierung über die AfD-Landtagsfraktion zurücknehmen. Kurz vor der Europawahl hatte sie die Initiative »Aufstehen gegen Rassismus« auf Twitter gelobt und das mit dem Nachsatz versehen: »Servicetweet für die Spacken von der @AfD-FraktionLSA«. Die Angesprochenen reagierten mit einer Strafanzeige und einer Unterlassungsforderung.