| Cornelia Dölger |
| 26.02.2026 17:56 Uhr |
Inka Krdude, Inhaberin aus Bochum, warb für pDL und Impfangebote in Apotheken. / © PZ
Welche Benefits können Apotheken ihren Patienten und Kunden offerieren, die ihnen auch selbst etwas bringen? Darüber diskutierten rund 100 Teilnehmende beim ersten »Independence Day für Apotheken« in Eschborn. Bei dem von Wolfgang Sattler und Florian Giermann organisierten Event ging es um Unabhängigkeit vom Rezeptumsatz und innovative Konzepte.
In seiner Keynote »Die unabhängige Apotheke der Zukunft – Wege aus der Honorar-Krise« gab Professor Reinhard Herzog eine betriebswirtschaftliche Einordnung der aktuellen Lage. Zwar seien steigende Umsätze zu verzeichnen, die Renditen befänden sich aber im Sinkflug und bewegten sich derzeit in einem niedrig einstelligen Bereich. Gleichzeitig verfielen die Spannen weiter, so der Apothekenwirtschaftsexperte. »Da gehen wir stark in Richtung Discountermargen.«
Mit 13 bis 15 Euro Ertrag pro Kunde sei der Apothekenmarkt aber nach wie vor attraktiv – kein Wunder also, dass auch Einzelhändler wie dm es darauf abgesehen hätten. 9,50 Euro Fixum pro Rx-Packung zu fordern – gut und schön, so Herzog. Perspektivisch würde ihm zufolge aber ein Versandverbot aller apothekenpflichtigen Produkte mehr ausrichten. Diesen Ansatz sollte man konsequent verfolgen, so der Pharmazeut. Es gehe darum zu verhindern, dass der Markt »wegerodiert«. Allerdings kann sich die deutsche Politik schon seit Jahren nicht einmal zu einem Rx-Versandverbot durchringen. Den OTC-Versand wieder zu verbieten, dürfte europarechtlich ein gelinde gesagt anspruchsvolles Unterfangen sein.
Wichtig wäre laut Herzog eine »Generalinventur« aller vorhandenen Werte und Ressourcen in der Apotheke – ohne sich dabei Arbeit »einzukaufen«. Apotheken müssten eine eigene Nische finden. »Enormes Potenzial« liege etwa in Prävention und Tests.
Mit Gentests beziehungsweise D3-Bluttests heben sich etwa die Apothekerinnen Carole Holzhäuer sowie Katrin Schneider ab. Holzhäuer, Inhaberin der Anthemis-Apotheke in Anspach, schilderte ihren Weg zur »Longevity-Apothekerin«. Schneider skizzierte, wie ihre Zornheimer Apotheke in der Nähe von Nieder-Olm durch die angebotenen D3-Bluttests an Profil gewann.
Mit pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) und Impfangeboten zeichnet sich Inka Krudes »Alte Apotheke 1691« in Bochum aus. Beides sei »mehr als nur Pflicht« und biete ein »Wahnsinnspotenzial«, so Krude. Sie bietet die pDL »Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation« an. Bei pDL wie beim Impfen zählt für die Inhaberin zweierlei: »Routine, Routine, Routine« sowie der Anspruch, dass das gesamte Team in die Prozesse eingebunden ist und die Abläufe durchgetaktet sind.
Um Routine in die pDL-Abläufe zu bekommen, boten Krude und ihr Team 20 bis 30 Polymedikationen am Tag an, nahmen sich zum Ziel, in einem Jahr 1000 davon zu schaffen, erreichten es 2025 aber nicht ganz. Und dennoch: Das Team habe von dem Credo »Wer seine Ziele erreicht, hat sie nicht hoch genug gehängt« profitiert. Krudes Appell an die Kolleginnen und Kollegen: »Macht es einfach.«
Eigenmarken im Apothekenregal stellte Apotheke Frank Füßl aus München als Alleinstellungsmerkmal vor. Der Inhaber der Apotheke zur Münchener Freiheit in München sowie dreier weiterer Apotheken in der Region setzt auf die Eigenmarke »ur.sula«. Füßl schilderte, welche Schritte von der Idee zur Umsetzung nötig sind. Wie Apothekerin Krude setzt auch er auf Teamarbeit: Es gelte, die Mitarbeitenden von vornherein einzubinden, andernfalls laufe das Projekt nicht.