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Proteasehemmer gesucht

Virtuelles Screening nach Wirkstoffen gegen Corona

An der Universität Basel haben Wissenschaftler der Arbeitsgruppe »Computational Pharmacy« um Professor Dr. Markus Lill rund 687 Millionen verschiedene Substanzen an einem spezifischen Angriffspunkt des Coronavirus getestet. Am Ende eines mehrstufigen Verfahrens blieben 11 aussichtsreiche Kandidaten und ein Naturstoff übrig.
Sven Siebenand
11.03.2020  15:20 Uhr

Wie einer Pressemeldung der Hochschule zu entnehmen ist, hat sich die Forschergruppe in Anbetracht der aktuellen Notlage dazu entschlossen, ihre Ergebnisse sofort als Open Source der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Die Publikation wurde in den ersten 48 Stunden schon mehr als 3000 Mal konsultiert. Die Wissenschaftler hoffen, dass andere Forschungsgruppen ihre Vorschläge aufnehmen, diese am Virus testen und weiterführende Studien einleiten.

Mithilfe computergestützter Methoden haben die Wissenschaftler in Basel in den vergangenen Wochen zig Millionen Substanzen dahingehend geprüft, ob sie an der wichtigsten Protease von SARS-CoV-2 binden. Erst kürzlich wurde die Kristallstruktur dieses Enzyms aufgeklärt. Nach einem siebenstufigen Testverfahren blieben von den vielen Substanzen schließlich elf potenzielle Leitstrukturen für Arzneistoffe übrig. Die Forscher schätzen, dass sie nicht nur gut an die Zielstruktur binden, sondern dies auch spezifisch tun, also Off-Target-Effekte gering sind. Deshalb gehen die Wissenschaftler maximal von einer niedrigen bis moderaten Toxizität aus.  Ferner führte die Testung bekannter Naturstoffe bei dem Screening zu einem weiteren Treffer. Eine Substanz aus der Sibirischen Lärche (Larix sibirica), Taxifolin, hat laut den Wissenschaftlern ebenfalls Potenzial, die Hauptprotease des Coronavirus zu hemmen.

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