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Senioren

Virtuell kegeln zur Prävention

Virtuell kegeln, tanzen oder Motorradfahren und »nebenbei« die körperliche und geistige Fitness trainieren: Das ist das Ziel der Spielkonsole MemoreBox für Bewohner in Senioren- und Pflegeheimen. Das Videospielen bringt Spaß in den oft grauen Heimalltag.
Brigitte M. Gensthaler
16.09.2019
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»Die therapeutischen Videospiele sollen den Alltag in stationären Pflegeeinrichtungen bereichern und die Lebensqualität der Bewohner steigern«, erläuterte Professor Dr. Claudia Wöhler, Landesgeschäftsführerin der Krankenkasse Barmer in Bayern, bei der Vorstellung der Konsole am Donnerstag im Diakoniewerk München-Maxvorstadt.

Das körperliche und geistige Training geschieht spielerisch: Der Senior steht oder sitzt vor einem Monitor und steuert das Spiel mit Hand- und Körperbewegungen, die von einer Spezialkamera aufgenommen und in die Spielfigur übertragen werden. So kann er beispielsweise das Motorrad auf Linie halten, bei Hindernissen nach rechts oder links ausweichen und an der richtigen Ausfahrt abbiegen. Beim Kegeln steuert er mit Armbewegungen, wie fest und wohin die Kugel rollen soll. Immer trainiert der Spieler Beweglichkeit, Gleichgewicht und Konzentration. Verlieren kann man nicht, denn virtuelle Leitplanken halten den Kurs.

»Das System passt sich dem Spieler und seinen Fähigkeiten an. Man kann mit allen Handicaps und auch im Rollstuhl spielen«, versichert Wöhler. Je besser das klappt, umso anspruchsvoller wird das Spiel. Das Besondere an der MemoreBox sei nicht das Gerät, sondern die Software, erklärt Jens Brandis, Projektleiter beim Hamburger Digital Health Start-up RetroBrain R&D. Man habe die scheinbar einfachen, aber doch herausfordernden Spiele gemeinsam mit Senioren in Hamburg und Berlin entwickelt. Denn die MemoreBox wurde zunächst in einem zweijährigen Modellprojekt in Berliner und Hamburger Pflegeheimen erprobt und wissenschaftlich begleitet.

Die Evaluation war für die Krankenkasse wichtig, wie Wöhler betont. »Die Videospiele konnten eine präventive und gesundheitsförderliche Wirksamkeit erzielen.« So wurden Stand- und Gangsicherheit der Senioren gestärkt, Motorik, Ausdauer und Koordination verbessert sowie soziale Bindungen und Kommunikation angeregt. Auch demenzkranke Menschen können leichte Spiele und vor allem beim Singen und Tanzen mitmachen.

Therapeutische Videospiele werden bereits in zahlreichen Seniorenheimen eingesetzt. Die Barmer fördert die Einrichtung der MemoreBox in bundesweit 100 Pflegeeinrichtungen. Das Münchner Diakoniewerk hat sie zunächst in der geriatrischen Rehabilitation eingesetzt und will das Videospielen nun in den Heimalltag integrieren. Die wissenschaftliche Evaluation übernehmen Wissenschaftler der Charité und der Humboldt-Universität zu Berlin.

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