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Emotionaler Ausnahmezustand

Viele Herzinfarkte an Heiligabend

Weihnachten, das Fest der Familie, stellt häufig einen emotionalen Ausnahmezustand dar – und zwar nicht unbedingt im positiven Sinne. Für ältere Menschen mit schwachem Herzen kann das gefährlich sein: Forscher aus Schweden konnten nun belegen, dass Herzinfarkte an Heiligabend deutlich häufiger vorkommen als im Rest des Jahres.
Annette Mende
20.12.2018
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Was haben Fußball-Weltmeisterschaften, Börsencrashs, Hurrikane und Weihnachten gemeinsam? Alle diese Ereignisse standen oder stehen im Verdacht, Herzinfarkte auslösen zu können. Wie groß der Einfluss solcher Triggerfaktoren ist, untersuchten nun Forscher um Moman Mohammad von der Universität Lund und Kollegen anhand schwedischer Registerdaten der Jahre 1998 bis 2013. In der Datenbank SWEDEHEART, auf die die Wissenschaftler zugreifen konnten, sind alle Herzinfarkte in dem skandinavischen Land dokumentiert, meistens sogar mit dem genauen Zeitpunkt des Symptombeginns.

Im Rahmen ihrer retrospektiven Beobachtungsstudie untersuchten die Forscher, ob beziehungsweise wie sich die Häufigkeit von Herzinfarkten in Schweden während der Weihnachts-, Silvester-, Oster- und Mittsommer-Feiertage sowie während Fußball-Welt- und -Europa-Meisterschaften und olympischen Winter- und Sommerspielen verändert hatte. Als Kontrollzeiträume dienten bei den Feiertagen jeweils die zwei Wochen davor und danach und bei den Sportereignissen der gleiche Zeitraum des Vorjahres.

Insgesamt ereigneten sich im Beobachtungszeitraum 283.014 Herzinfarkte, berichten die Forscher im »British Medical Journal«. Ein signifikanter Anstieg der Infarkthäufigkeit war an Heiligabend und an Mittsommer zu verzeichnen: Gegenüber dem Rest des Jahres war das Risiko an diesen Tagen um 15 Prozent erhöht, an Heiligabend selbst sogar um 37 Prozent. Beides sind in Schweden wichtige Feiertage, die man traditionell im Kreis der Familie feiert, üblicherweise mit gutem Essen, Gesang und alkoholischen Getränken. An Ostern und während der großen Sportturniere war dagegen kein Peak in der Herzinfarkt-Häufigkeit zu verzeichnen, möglicherweise weil Ostern den Schweden nicht so wichtig ist und sie bei großen Sportturnieren mit Ausnahme der olympischen Winterspiele in der Regel nicht auf den vordersten Plätzen landen.

Ärger, Angst, Trauer oder andere starke Emotionen könnten aus Sicht der Autoren den Anstieg der Herzinfarkt-Häufigkeit an bestimmten Tagen im Jahr erklären. Dass emotionaler Stress als Auslöser vermutlich eine Rolle spielt, zeigte sich auch daran, dass an Heiligabend der Häufigkeitspeak um 22 Uhr war, ganz anders als an anderen Tagen, an denen er um 8 Uhr morgens lag. Dies war insbesondere bei älteren und gebrechlichen Patienten relevant, die für solche externen Trigger somit besonders anfällig zu sein scheinen.

DOI: 10.1136/bmj.k4811

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