Bei Sonneneinstrahlung produziert die Haut Vitamin D – in bestimmten Risikogruppen reichen die Sommermonate aber nicht aus, um ausreichend hohe Vitamin-D-Spiegel zu erreichen. / © Getty Images/Cultura Creative
In den Sommermonaten sind die meisten Menschen durch die Sonnenexposition ausreichend mit Vitamin D versorgt, da das Vitamin bei Sonnenlichtbestrahlung in der Haut gebildet wird. Diese gängige Ansicht stellt jetzt eine britische Untersuchung infrage, die im Mai im »European Journal of Clinical Nutrition« erschienen ist. Demnach weisen viele ältere Menschen und Angehörige ethnischer Minderheiten mit stärkerer Hautpigmentierung auch in den Sommermonaten zu niedrige Vitamin-D-Werte auf.
Ein Team um Alice Goddard von der Newcastle University in Newcastle upon Tyne hatte für die Studie den Vitamin-D-Status von knapp 300 Menschen in Nordbritannien untersucht. An der Studie nahmen Erwachsene ab 65 Jahren sowie Menschen aus ethnischen Minderheiten verschiedener Altersgruppen teil. Als Unterversorgung oder Mangel galten Vitamin-D-Werte unter 50 Nanomol/Liter (nmol/l).
Die Auswertung zeigte, dass mehr als die Hälfte der älteren Erwachsenen und knapp drei Viertel der Teilnehmenden aus ethnischen Minderheiten Vitamin-D-Werte unterhalb des Grenzwerts von 50 nmol/l aufwiesen.
Überraschend war aus Sicht der Forschenden, dass sich die Werte im Sommer kaum verbesserten. Zwischen Juni und August lagen bei durchschnittlich 55,6 Prozent der älteren Teilnehmenden die Vitamin-D-Werte unter 50 nmol/l. Damit lagen die Werte deutlich über Schätzungen für die Allgemeinbevölkerung, bei der etwa 20 Prozent als unzureichend versorgt gelten. Da Studien teilweise unterschiedliche Grenzwerte verwenden, ist dieser Vergleich jedoch nur eingeschränkt möglich.
Die aktuelle Untersuchung weist darauf hin, dass in den untersuchten Gruppen auch in den Sommermonaten noch in erheblichem Umfang ein Vitamin-D-Mangel erhalten bleibt. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis, dass Sonnenlicht allein für manche Menschen möglicherweise nicht ausreicht, um einen guten Vitamin-D-Status zu erreichen.
Aus der Studie lässt sich jedoch nicht ableiten, warum die Werte auch im Sommer niedrig blieben. So wurde beispielsweise nicht untersucht, wie viel Zeit die Teilnehmenden tatsächlich im Freien verbrachten oder welche weiteren Faktoren ihre Vitamin-D-Versorgung beeinflussten. Über die Ursachen lassen sich anhand der Daten demnach keine sicheren Aussagen treffen.
Nach Ansicht der Forschenden könnten Menschen mit erhöhtem Risiko für eine Vitamin-D-Unterversorgung stärker in den Blick der Gesundheitsvorsorge rücken. Diskutiert werden eine bessere Aufklärung, eine gezielte Erfassung des Vitamin-D-Status und – falls medizinisch angezeigt – eine Supplementierung.