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Rx-Versandverbot für Tierarzneien

Veterinäre fürchten Versorgungslücken für Exoten

Für Humanarzneimittel haben Apotheker hierzulande lange um ein Versandverbot von verschreibungspflichtigen Arzneien gekämpft – vergeblich. Kritiker führten stets europarechtliche Bedenken ins Feld. Ausgerechnet aus Brüssel kam dann aber der Vorstoß, den Rx-Versandhandel bei Tierarzneien zu verbieten. In Deutschland soll das entsprechende Gesetz Anfang kommenden Jahres greifen. Tierärzte schlagen nun Alarm.
dpa
Cornelia Dölger
31.03.2021  18:00 Uhr

Die Versorgung mit Rx-Arzneien betrifft Menschen wie auch Tiere, wobei bei Letzteren ein Großteil der verschreibungspflichtigen Präparate Antibiotika sind. Um deren Einsatz im Veterinärbereich zurückzudrängen, hat die EU schon Anfang 2019 eine Tierarznei-Verordnung erlassen, mit der sie unter anderem schärfere Kontrollen für den Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin gesetzlich verankern will. In Deutschland soll das entsprechende Gesetz Anfang kommenden Jahres in Kraft treten. Versender dürfen dann nur noch rezeptfreie Tierarzneimittel verkaufen, Rx-Präparate gibt es dann ausschließlich über die Offizin.

Brüssel hatte den EU-Mitgliedern bei der Auslegung der Verordnung zwar durchaus Spielraum gelassen – etwa gab es die Option, einen nationalen Versandhandel unter strengen Kontrollen weiterhin zu erlauben –, doch nutzte die Bundesregierung die Möglichkeit nicht, sondern plante ein Rx-Versandverbot ohne Ausnahmen. Festgeschrieben wird dies in einem eigenen Gesetz für Tierarzneien (TAMG), das sämtliche Regelungen aus dem Veterinärbereich bündeln soll. Bisher waren Tierarzneimittel Teil des allgemeinen nationalen Arzneimittelgesetzes. Die Apotheker begrüßten das Vorhaben und schrieben in einer Stellungnahme zum Entwurf des TAMG: »Diese Vorgehensweise unterstützen wir nachdringlich.« Wichtig ist der Apothekerschaft demnach zudem ein klarer Rechtsrahmen für den Versandhandel, um Regelungslücken zu vermeiden.

Brandbrief an Bundesregierung

Bei Veterinären kommt der Plan der Bundesregierung hingegen nicht gut an. Nachdem das Bundeskabinett dem Gesetzentwurf am 24. März zustimmte, haben Vertreter der Tierärzte in Deutschland nun einen Brief an die Bundesregierung geschrieben. Das meldet die Nachrichtenagentur dpa. Die Fachtierärzte sehen in dem Vorhaben demnach eine Gefahr für die Behandlung exotischer Haustiere, für die es oft nur wenige Experten gebe. So würde sich ein Verbot des Rx-Versands »gravierend« auf die Therapie von Wassertieren und anderen seltenen Spezies auswirken, heißt es in einem Schreiben von Fischtierärztin Sandra Lechleiter aus Neuenbürg bei Pforzheim und Kollegen an die Bundesregierung.

Als Begründung führen die Tierärzte an, dass es unter ihnen häufig nur wenige Spezialisten gebe, etwa für Zierfische. Für eine Behandlung müssten die Fachtierärzte also oft weite Wege zu ihren Patienten zurücklegen. Üblich und für Ärzte wie auch Tierhalter zeitsparend sei es, nach Laboruntersuchungen und Diagnosen nicht erneut den weiten Weg auf sich zu nehmen, sondern die Medikamente per Post zu verschicken. Falle diese Möglichkeit weg, entstünden gefährliche Versorgungslücken für die Tiere. Das widerspreche jedem Tierschutzgedanken, schrieben Lechleiter und ihre Kollegen.

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