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Zytostatika-Vergütung

Verträgliche Lösung in Aussicht?

Für die Zytostatika herstellenden Apotheken herrscht derzeit Unsicherheit, wie es mit der Honorierung ihrer Arbeit weitergeht. Eine Antwort darauf gab es auch auf der Jahrestagung ihres Verbands VZA in Berlin nicht. Aber Gastredner Erwin Rüddel (CDU), Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Bundestags, stellte eine verträgliche Lösung in Aussicht und lieferte einen generellen Ausblick auf die Zukunft der Apotheker.
Ev Tebroke
08.04.2019
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Ursprünglich wollte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit dem geplanten Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) auch die Apotheken-Vergütungen für die Herstellung von Zytostatika neu regeln. Im Regierungsentwurf sind die entsprechenden Passagen wieder gestrichen. VZA-Präsident Klaus Peterseim kritisiert die unklare Situation: »Wir brauchen Sicherheit, insbesondere Investitionssicherheit für die technischen Ausrüstungen, die die Zytostatika herstellenden Apotheken mit hohen sechs- bis siebenstelligen Summen aus ihrem Privatvermögen vorfinanzieren.«

Im Referentenentwurf zum GSAV war noch ein Arbeitspreis von 110 Euro für die Zytostatika-Herstellung vorgesehen. Dies wäre den vom VZA anvisierten 129 Euro Arbeitspreis bereits nahegekommen, so Peterseim. Zusätzlich fordert der VZA-Präsident noch einen Wirtschaftsposten von 3 Prozent des Einkaufspreises sowie Einsichtsrecht in die Auskünfte des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) über die Einkaufspreise von Wirkstoffen. »Damit wären wir zufrieden«, so Peterseim. Nachdem die Vergütungsregelung aber aus dem GSAV herausgestrichen wurde, herrsche nun Planungsunsicherheit.

Schärfere Kontrollen unausweichlich

Rüddel sicherte in seiner Rede seine Unterstützung zu, dass es in der Vergütungsfrage zu einer guten, für die Apotheker verträglichen Lösung kommt. »Ich glaube, dass wir, was die Vergütungen Ihrer Leistungen angeht, noch zu angepassten Regelungen kommen.« Gleichzeitig betonte er: »Was sich nicht ändern wird, sind die Kontrollen.« Nach dem Bottrop-Skandal um gepanschte Krebsarzneien stehe auch die Politik unter einer sehr starken öffentlichen Beobachtung und mehr unangemeldete Kontrollen wären unausweichlich. Peterseim kritisierte, dass eine ganze Branche in eine Art Sippenhaft genommen werde, weil ein Apotheker hier im großen Stil kriminell geworden wäre.

Grundsätzlich skizzierte Rüddel in seiner Rede die Umwälzungen, die im Gesundheitswesen auf alle zukommen werden. Insbesondere mit Blick auf die Sicherstellung der flächendeckenden Gesundheitsversorgung müssten sich auch die Apotheker auf große Veränderungen einstellen, versicherte Rüddel den zahlreich erschienenen VZA-Mitgliedern.

»Es wird alles anders und besser«, so der Gesundheitspolitiker. Der anstehende Digitalisierungsprozess und die »Vernetzung von Kompetenzen« berge große Chancen. Aber alle Beteiligten müssten ihre alte Rolle infrage stellen und sich auf neue Wege einstellen. Es gebe immer weniger Ärzte bei gleichzeitig wachsender medizinischer Nachfrage durch die alternde Bevölkerung. Andere Berufsgruppen müssten zwangsläufig Leistungen übernehmen. So könnten Apotheker etwa impfen. Rüddel begrüßt diesen Vorschlag von Spahn »ausdrücklich«. Auch das Ausstellen von Folgerezepten in der Chroniker-Versorgung könnten die Apotheker gut übernehmen. Was das E-Rezept betrifft, so sieht Rüddel dies vor dem Hintergrund einheitlicher Rx-Abgabepreise als große Chance für die Standort-Apotheke. »Sie können vor Ort schneller beliefern, als der Online-Handel«, ist er sicher.

Trend zu medizinischen Versorgungszentren »unabwendbar«

Grundsätzlich sieht der Gesundheitspolitiker den eindeutigen Trend zu medizinischen Versorgungszentren (MVZ). In sieben bis zehn Jahren werde es nicht mehr darum gehen, ob stationär oder ambulant behandelt wird, sondern um Versorgung an sich. »Wir wehren uns dagegen, weil es sicher nicht die Ideallösung ist«, betonte Rüddel. »Aber der Trend scheint unabwendbar«. Immer mehr junge Ärzte scheuten die Arbeitsbelastung einer eigenen Praxis und zögen eine Anstellung vor.

Diese Entwicklung sieht Peterseim mit Sorge. Wenn künftig hauptsächlich Kliniken als bevorzugter Standort der Gesundheitsversorgung dienten, bestehe die Gefahr, dass dort die Krankenhaus-Apotheke das Regiment übernimmt. Diese stünden aber unter dem Regime des Klinikbetreibers, der dann seine Rezepte über die Klinik-Apotheke abrechnet. Das wäre der Tod der Zytostatika-Versorgung durch die Vor-Ort-Apotheke, warnt der VZA-Präsident. Die Krankenhausapotheker hätten schon jetzt viele Felder besetzt, die eigentlich in die Vor-Ort-Apotheke gehörten, so Peterseim, wie etwa die Herstellung von Zytostatika, die sie dann über Abrechnungsapotheken in den niedergelassenen Bereich geben. »Das wollen wir nicht.«

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