Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Abschottungspolitik
-
USA verschärfen den Biotech-Kurs gegen China

Der Wettbewerb zwischen den USA und China im Biotechnologiesektor tritt in eine neue Phase ein. Wie ein Bericht der Biotech-News-Plattform STAT zeigt, wächst in Washington die Überzeugung, dass der 2025 verabschiedete Biosecure Act zwar ein politisches Signal gesetzt, den Aufstieg der chinesischen Biotechnologieindustrie jedoch kaum gebremst hat.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 26.06.2026  16:20 Uhr
Comprehensive Outbound Investment National Security Act (COINS Act) im Gespräch

Comprehensive Outbound Investment National Security Act (COINS Act) im Gespräch

Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick nun auf den Comprehensive Outbound Investment National Security Act (COINS Act). Dieses Gesetz regelt bislang Investitionen amerikanischer Unternehmen in sicherheitsrelevante Technologiebereiche wie Künstliche Intelligenz oder Halbleitertechnologien in sogenannten Ländern von besonderem Interesse. Mehrere Abgeordnete fordern nun, den Anwendungsbereich ausdrücklich auf die Biotechnologie auszuweiten. Ein entsprechender Gesetzentwurf sieht vor, Arzneimittelentwicklung, Biologika-Produktion sowie klinische Forschung in den Prüfkatalog aufzunehmen.

Parallel wächst der Druck auf das US-Finanzministerium, Biotechnologie bereits auf dem Verordnungsweg in die Investitionskontrolle einzubeziehen. Die geplante Veröffentlichung entsprechender Regelungen könnte allerdings durch die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Peking verzögert werden.

Die politische Sorge speist sich jedoch nicht nur aus ökonomischen Entwicklungen, sondern zunehmend auch aus der wissenschaftlichen Dynamik Chinas. Nach Angaben des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses stammten 2020 weniger als fünf Prozent aller weltweit lizenzierten innovativen Arzneimittel aus China; bis 2025 war dieser Anteil auf nahezu 50 Prozent angestiegen. Parallel wächst in Washington die Skepsis gegenüber klinischen Studien, die ausschließlich in China durchgeführt werden. Kritisiert wird insbesondere, dass viele dieser Studien von der FDA nicht direkt inspiziert werden können und deshalb Fragen hinsichtlich Patientensicherheit, regulatorischer Transparenz und staatlicher Einflussnahme offenbleiben. Als Reaktion fordert der Haushaltsausschuss in einem begleitenden Bericht zum FDA-Budget, künftig keine ausschließlich in China erhobenen Studiendaten mehr für Zulassungsverfahren zu akzeptieren.

Warnung vor reinem Protektionismus

Gleichzeitig mahnen zahlreiche Experten, dass eine rein restriktive Strategie nicht ausreichen werde. Vertreter des Council on Foreign Relations und der Biotechnology Innovation Organization argumentieren, die USA müssten vor allem ihre eigenen Innovationsbedingungen verbessern. Dazu gehörten schnellere regulatorische Verfahren, effizientere Genehmigungsprozesse für frühe klinische Studien sowie geringere Entwicklungskosten. Die FDA hat bereits reagiert und ein Pilotprogramm gestartet, das Entwicklungszeiten in der frühen klinischen Phase um sechs bis zwölf Monate verkürzen soll. Diese Maßnahmen sollen den Forschungsstandort USA attraktiver machen, ohne zusätzliche milliardenschwere Förderprogramme vorauszusetzen.

Langfristig, so die Einschätzung vieler Beobachter, werde dies allerdings nicht genügen. Um die technologische Führungsrolle der Vereinigten Staaten dauerhaft zu sichern, seien erhebliche öffentliche Investitionen erforderlich, vergleichbar mit dem CHIPS and Science Act, der die amerikanische Halbleiterindustrie mit mehr als 50 Milliarden US-Dollar unterstützt.

Kritisch wird in diesem Zusammenhang die aktuelle Wissenschaftspolitik der Trump-Regierung bewertet. Kürzungen bei der Forschungsförderung sowie Einschränkungen bei Arbeitsvisa für internationale Wissenschaftler könnten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der USA zusätzlich schwächen und talentierte Forschende ins Ausland treiben.

Mehr von Avoxa