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EU-Fälschungsschutzsystem

Umsetzung gelang durch Teamwork

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese hat heute mit Blick auf die Umsetzung der neuen EU-Fälschungsschutzrichtlinie die gute Zusammenarbeit aller Akteure der Versorgungskette gelobt. Die Umsetzung der Sicherheitsstandards gehört zu den größten Infrastrukturprojekten der Arzneimittelversorgung in Europa. Für Liese ist dies nur ein erster Schritt. Der Verband Pro Generika hebt hingegen die enormen Kosten und den logistischen Aufwand für das neue System hervor.
Jennifer Evans
08.02.2019
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Gefälschte Medikamente stellen weltweit ein großes Problem dar. Allein im Jahr 2016 sind nach Angaben von Peter Liese, gesundheitspolitischer Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP-Christdemokraten), rund 400.000 gefälschte Arzneimittel an den EU-Außengrenzen sichergestellt geworden. »Fälschungen gefährden Menschenleben und deshalb ist jede Fälschung eine zu viel«, so Liese.

Am 9. Februar 2019 startet nun das neue europaweite Schutzsystem, das spezielle Sicherheitsmerkmale für Packungen verschreibungspflichtiger Medikamente vorschreibt.  Ab dem Stichtag müssen diese dann einen Data-Matrixcode tragen, der in der Apotheke gescannt wird, um das Mittel auf Echtheit zu prüfen. Mit dem neuen Überwachungsmechanismus soll sich ab sofort nachverfolgen lassen, ob und an welcher Stelle gefälschte Medikamente in die legale Lieferkette gelangt sind. In Deutschland steht hinter dem Schutzsystem die Initiative Securpharm, ein Zusammenschluss von Herstellern, Apothekern und Großhändlern.

Liese lobte die Zusammenarbeit aller Beteiligten in der Versorgungskette. An einer solchen Lösung im Sinne des Patientenschutzes habe das Europäische Parlament seit vielen Jahren gearbeitet. »Die Installierung des neuen Sicherheitssystems war und ist eine Mammutaufgabe, wenn man bedenkt, dass nur in Deutschland rund 750 Millionen zu verifizierenden Arzneimittelverpackungen allein in der Apotheke an die Patienten abgegeben werden.« Gerade für kleine und mittlere Betriebe sei dies eine enorme Herausforderung, so Liese.

Aufwand und Kosten waren laut Pro Generika sehr hoch

Um die neuen Sicherheitsstandards umzusetzen, mussten die beteiligten Unternehmen nicht nur viele Millionen Euro in die Hand nehmen. Auch der logistische Aufwand sei sehr hoch gewesen, wie der Verband Pro Generika heute mitteilte. »Jede einzelne Packstraße musste umgerüstet werden, ohne dass es zu einer Verlangsamung der Produktionsgeschwindigkeit kommt«, so der Vorstandsvorsitzende von Pro Generika, Wolfgang Späth. Zudem hätten Druckerköpfe für jede Packstraße entwickelt werden müssen, die lesbare 2D-Codes in entsprechendem Tempo auf die Packungen druckten.

Liese hält das neue Schutzsystem insgesamt für eine gute Basis. Dennoch unterstützt der Europaabgeordnete weitere Optimierungen in den kommenden Jahren. Liese: »Mittelständische Arzneimittelhersteller klagen zum Beispiel darüber, dass die jeweiligen Anbieter in den Mitgliedstaaten quasi ein Monopol haben und hohe Preise verlangen.« Das müsse man ändern, meint er. Die neue Fälschungsschutzrichtlinie geht auf eine EU-Vorschrift von 2011 zurück. In Deutschland sind laut Securpharm an das System 19.345 Apotheken, 346 Pharmaunternehmen, 887 Großhändler und 406 Krankenhausapotheken angebunden.

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