| Lukas Brockfeld |
| 30.03.2026 18:00 Uhr |
Mit den Umbauten wurden die Läden verschönert und die Präsentation der Waren verändert. So ersetzte man die Verkaufspyramiden durch Tische, da die unteren Waren in den Pyramiden zu oft übersehen wurden. »Die Läden, die umgebaut wurden, haben im Durchschnitt eine 5 Prozent bessere Umsatzentwicklung, als die Läden, die noch nicht umgebaut wurden. Die Investition lohnt sich also«, so Christian Riethmüller.
Auch Brett- und Gesellschaftsspiele wurden zu einem wichtigen Teil des Sortiments und machen inzwischen etwa 10 Prozent des Gesamtumsatzes aus. »Die Kunden kommen unabhängig vom Buch zu uns, um Spiele zu kaufen. Die Spiele haben den Umsatzrückgang beim gedruckten Buch überkompensiert. Wir wachsen bei den Spielen stärker, als wir bei den Büchern verlieren und haben dazu noch eine völlig neue Zielgruppe gewonnen«, freute sich der Geschäftsführer.
»Doch all das nützt uns nichts, wenn die Innenstädte weiter veröden«, betonte Christian Riethmüller. Daher versuche man mit Veranstaltungen und Lesungen einen kulturellen Beitrag für eine Stadt zu leisten und das Lesen zu fördern. »Unser Ziel ist es, die Zahl der Nichtleser in Deutschland zu halbieren. Die Apotheken könnten in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Fitness auf ähnliche Weise Antreiber sein, wie wir es bei der Leseförderung sind«, sagte der Geschäftsführer.
Viele der Ideen, die Osiander erfolgreich umsetzen konnte, ließen sich auch auf die Apotheken übertragen. »Warum finde ich in keiner Apotheke einen Drehständer mit Postkarten, auf denen ›Gute Besserung‹ oder ›Ich hab dich lieb‹ steht? Warum gibt es keine Schokolade, die man als Zusatzartikel mitbringen kann? Wenn ich meine Reiseapotheke auffülle frage ich mich, warum man keine kleinen Kartenspiele oder Rätselhefte für die Fahrt kaufen kann«, sagte der Buchhändler.
Den juristischen Einwand, dass Apotheken ihr apothekenübliches Sortiment nicht beliebig ausweiten dürfen, wollte Christian Riethmüller nicht gelten lassen. »Man muss versuchen, aus solchen Verboten herauszukommen«, betonte Riethmüller, dem zu oft darüber gestritten wird, was nicht geht. »Dann müssen wir tätig werden und es mit den politischen Verantwortlichen diskutieren. Aber auf eine Art und Weise, die nicht wie Gejammer wirkt«, sagte der Osiander-Chef.