An der MHH trainieren angehende Ärztinnen und Ärzte, um bei Katastrophen schnell und effizient helfen zu können. / © Tom Figiel/MHH
Im März landete der Mehrzweckhubschrauber NH-90 MedEvac der Bundeswehr auf dem Campus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Der Grund dafür war das neue einwöchige Wahlfach »Einführung in die Einsatz- und Katastrophenmedizin« der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin für Medizinstudierende ab dem dritten Studienjahr. Es wird in Kooperation mit dem Bundeswehrkrankenhaus Westerstede, dem Lehrkrankenhaus der MHH, unterrichtet.
»Es ist eine gute Gelegenheit für unsere Studierenden, sich auf einen möglichen Einsatz im Katastrophenfall vorzubereiten und Einblick in die zivil-militärische Zusammenarbeit zu bekommen. Weitere Module zur Katastrophenmedizin, aber auch zur Traumaverarbeitung von den Kliniken für Unfallchirurgie und Psychosomatik sind in Planung«, verrät MHH-Präsidentin Professor Dr. Denise Hilfiker-Kleiner in einer Pressemitteilung ihrer Hochschule.
Im Rahmen des neuen Wahlpflichtfachs wurden nun zum ersten Mal 15 Medizinstudierende sowie angehende Medizinische Fachangestellte zu verschiedenen Katastrophenszenarien geschult. Dabei lernten sie, was ein Großeinsatz mit mehreren Schwerstverletzten bedeutet, welche Rolle sie bei einem sogenannten Massenanfall von Verletzten (MANV) übernehmen und wie sie mit Ressourcenknappheit umgehen können.
Ein wichtiger Aspekt in der Katastrophenmedizin ist die interprofessionelle Zusammenarbeit. Daher übten die Studierenden und Auszubildenden, wie sie mit Einsatzkräften des Katastrophenschutzes in verschiedenen Szenarien zusammenarbeiten. Beteiligt waren Angehörige der Bundeswehr und der Polizei, der Feuerwehr und des Rettungsdienstes. Zum Einsatz kamen dabei auch Virtual-Reality-Brillen mit simulierten Notfallpatienten sowie Planspiele, um einen Einsatzlageplan aufzustellen.
Außerdem trainierten die Studierenden, unter extremem Zeitdruck nach dem standardisierten Vorsichtungsalgorithmus PRIOR zu entscheiden, wer sofortige Hilfe benötigt und wer warten muss. Bei einer praktischen Übung zum Ausladen von Patienten kam der elf Tonnen schwere Bundeswehrhubschrauber NH-90 MedEvac zum Einsatz. Darin können bis zu sieben schwer verletzte Personen liegend transportiert und intensivmedizinisch versorgt werden.
»Der Bedarf und die Nachfrage nach einem solchen Lehrangebot sind in jüngster Zeit durch die gesamtpolitische Lage gestiegen. Aber auch Großeinsätze wie im Ahrtal oder beim Zugunglück von Eschede sind realistische Szenarien, auf die wir unsere Medizinstudierenden vorbereiten müssen. Daher haben wir uns vor einem Jahr überlegt, dieses neue Wahlfach anzubieten«, erklärt Privatdozent Dr. Hendrik Eismann, Leitender Oberarzt des Bereiches Notfallmedizin der Anästhesie.
Dr. Jan Carlo Del Terdesco, der das Wahlfach leitet und den Lehrplan erarbeitet, ergänzt: »Uns war es wichtig, dass die Studierenden viel Gelegenheit zum Austausch mit anderen Einsatzkräften bekommen und den Ernstfall gemeinsam mit ihnen proben können. Damit wollten wir das Bewusstsein und Verständnis für die eigene wie auch für die Rolle des jeweils anderen schärfen.«
Die Lehrangebote in der Katastrophenmedizin sollen zukünftig gemeinsam mit der MHH-Klinik für Unfallchirurgie und anderen Fachabteilungen weiter ausgebaut werden.