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Strategie gegen Autoimmunerkrankung

Typ-1-Diabetes mit Darmbakterien verhindern

In der Sint1a-Studie wollen Forscher ab April prüfen, ob die frühzeitige Einnahme des Probiotikums Bifidobacterium infantis einen Typ-1-Diabetes bei Kindern mit einem erhöhten genetischen Risiko verhindern kann.
Sven Siebenand
15.03.2021  12:35 Uhr

Bei der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Inselzellen der Bauchspeicheldrüse. Im Frühstadium lassen sich im Blut Insel-Autoantikörper nachweisen, die ein Hinweis darauf sind, dass das Immunsystem die Inselzellen angegriffen hat. Schon länger ist bekannt, dass die Darmflora bei Kindern, die diese Antikörper entwickeln, gestört sein kann.

Wie das Helmholtz Zentrum München bekannt gibt, zielt die neue Studie darauf ab, das Auftreten von Insel-Autoantikörpern bei Kindern mit einem erhöhten genetischen Risiko für Typ-1-Diabetes zu verhindern. Die randomisierte Studie schließt Kinder bis zu einem Alter von sechs Wochen ein. Die Teilnahme erfordert den Nachweis eines erhöhten genetischen Erkrankungsrisikos. Ein Test darauf könne innerhalb der ersten sieben Lebenstage erfolgen.

In der Studie sollen die jungen Probanden der Verumgruppe bis zum Alter von einem Jahr das Probiotikum Bifidobacterium infantis zusammen mit der täglichen Nahrung erhalten. Die tägliche Menge an Pulver mit dem Darmbakterium soll jeweils in etwas Flüssigkeit, vorzugsweise Muttermilch, aufgelöst und über eine Spritze in den Mund des Kindes verabreicht werden. In regelmäßigen Abständen finden bis zu einem Alter von maximal 6,5 Jahren Untersuchungen und Blutabnahmen statt. Letztere dienen unter anderem zur Testung auf Insel-Autoantikörper, die anzeigen, ob bereits ein frühes Stadium von Typ-1-Diabetes vorliegt.

»Sint1a basiert auf dem Wissen, dass eine gesunde Darmflora Entzündungen reduziert und dies dem Immunsystem hilft, gefährliche Antigene von ungefährlichen zu unterscheiden«, erklärt Studienleiterin Professor Dr. Anette Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München. Auf diese Weise will die Studie die Wahrscheinlichkeit verringern, dass Kinder mit einem hohen genetischen Risiko für Typ-1-Diabetes Immunreaktionen erfahren, die zu einer Autoimmunität führen.

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