| Daniela Hüttemann |
| 29.09.2026 16:20 Uhr |
Manchmal gehören zwei Arzneistoffe einfach zusammen, um wirksam oder verträglich zu sein. / © Getty Images/Tarun Gupta
Unter dem Titel »Traumpaare der Pharmazie« stellte die Referentin Dr. Verena Stahl, Apothekerin aus Herdecke, vergangene Woche beim gemeinsamen Fortbildungskongress der Apothekerkammern Niedersachsen und Westfalen-Lippe auf Langeoog verschiedene sinnvolle Arzneistoffkombinationen mit viel Humor und Analogien zu menschlichen Beziehungen vor. Manchmal braucht der eine den anderen, um überhaupt wirken zu können, manchmal wirken sie synergistisch, manchmal braucht es einen Partner, um Nebenwirkungen abzufedern oder zu verhindern.
Traumpaare sind oft in gängigen Fixkombinationen bereits enthalten, zum Beispiel Sulfamethoxazol und Trimethoprim (als Kombi Cotrimoxazol genannt), Ritonavir als Booster unter anderem für Nirmatrelvir im Covid-19-Präparat Paxlovid®, L-Dopa und Carbidopa oder Benserazid, Ezetimib plus Statin, Methotrexat und Folsäure oder auch die Malariakombi Atovaquon plus Proguanil.
Bei Medikationsanalysen kann man gerade bei Polymedikation hinterfragen, ob jedes einzelne verordnete Arzneimittel auch wirklich nötig ist oder nicht etwa eine Verordnungskaskade oder ein Overprescribing vorliegt. Genauso wichtig sei es jedoch, auch darauf zu achten, ob etwas fehlt, erinnerte Stahl. Als Beispiel nannte sie Opioide und Laxanzien – ein absolutes Traumpaar.
Dr. Verena Stahl / © PZ/Daniela Hüttemann
»80 Prozent der Opioid-Anwender entwickeln eine Obstipation«, informierte die Apothekerin. Das senke nicht nur die Lebensqualität deutlich. Es sind ernste Komplikationen wie ein Darmverschluss möglich; außerdem steigt das Risiko für einen Therapieabbruch. Anders als bei anderen Arzneistoffen und gastro-intestinalen Nebenwirkungen bessert sich eine Verstopfung auch nicht bei längerer Opioid-Anwendung.
Daher gehöre ein Laxans immer dazu, am besten prophylaktisch. In vielen Praxen und Kliniken laufe das gut, der Patient werde aufgeklärt und erhalte auch ein GKV-Rezept. Leider treffe das aber nicht auf alle Patienten zu. »Es ist schade, wenn Patienten sich erst in Foren darüber austauschen müssen, dass Laxanzien bei Opioid-Anwendung verordnungsfähig sind«, meinte die Referentin. Besser sei, in der Apotheke auch mal nachzufragen, wie es mit der Verdauung laufe.
Ebenso wenig sollte der Patient sich selbst mit Floh- oder Leinsamen behelfen, wenn die Opioid-bedingte Verstopfung schon da ist. »Die muss erst einmal mit echten Laxanzien aufgelöst werden, sonst kommt es zum Stau und womöglich noch mehr Unheil.«
Auf Stufe 1 wird entweder ein Laxans mit propulsiver/stimulierender Wirkung (Natriumpicosulfat, Bisacodyl) oder osmotisch/hydragoger Wirkung (Macrogol, Lactulose) gegeben. Reicht das nicht aus – »dann gibt es auch gut laufende Dreiecksbeziehungen«, so Stahl. Dazu wird ein Laxans der Stufe 1 mit anderem Wirkprinzip hinzugenommen. Zeigt sich nach ein bis zwei Wochen immer noch keine durchschlagende Wirkung, kann stattdessen oder auch zusammen ein peripher wirksamer µ-Opioid-Rezeptorantagonist (PAMORA) wie Naloxegol, Naldemedin oder Methylnaltrexon gegeben werden.
Immer und ewig passt dagegen nicht für nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) und Protonenpumpeninhibitoren (PPI). Bei einer kurzzeitigen oder Bedarfstherapie mit NSAR oder auch Coxiben besteht keine Indikation für einen PPI, betonte die Referentin. Bei Dauertherapie gibt es verschiedene Konstellationen. Zwar zählt ein Alter ab 60 Jahren immer als Risikofaktor für Ulkus-Komplikationen. Ohne weitere Risikofaktoren braucht es bei einer NSAR-Therapie aber noch kein PPI.
Weitere Risikofaktoren sind ein Ulkus in der Vorgeschichte, schwere Begleiterkrankungen inklusive kardiovaskulärer Erkrankungen und Diabetes, eine Helicobacter-pylori-Infektion und bestimmte Arzneimittel wie systemische Glucocorticoide, gerinnungsaktive Wirkstoffe inklusive ASS und selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI). Liegt ein solcher Risikofaktor vor, soll bei Beginn einer Dauertherapie mit NSAR beziehungsweise sollte bei Coxiben ein PPI dazu. Dafür sollte die halbe PPI-Standarddosierung (zum Beispiel 20 mg Pantoprazol) gewählt werden. Im Detail hilft ein Blick in die jeweiligen Leitlinien.
Soll ein PPI wieder abgesetzt werden, sollte es bei einer Anwendung länger als acht Wochen langsam ausgeschlichen werden, um einen Säure-Rebound zu vermeiden.