Erste-Hilfe-Schulungen stärken die Sicherheit vor dem Notfall. Der Deutsche Rat für Wiederbelebung fordert Reanimationsunterricht bereits in der Schule ab Klasse 7. / © Getty Images/Seksan Mongkhonkhamsao
Wenn ein Mensch zusammenbricht, zählt jede Sekunde. Doch viele zögern unter anderem aus Angst vor Fehlern. Die sogenannte Ersthelfendenquote liegt bei gut der Hälfte. In diesen Fällen haben Laien laut Deutschem Reanimationsregister bereits vor dem späteren Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Wiederbelebung begonnen, also mit der Herzdruckmassage.
»Im Jahr 2025 begannen Laien bei 53,5 Prozent der Reanimationsfälle, in denen der Rettungsdienst nicht bereits vor Ort war, mit der Wiederbelebung«, teilte Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Deutschen Reanimationsregisters, mit. Als Reanimationsfall gilt ein Fall, bei dem der Rettungsdienst später eine Wiederbelebung begonnen oder fortgeführt hat.
Das heißt: Die Lebensrettung kann noch verbessert werden. Wie Training helfen kann – und warum Schulen und Leitstellen eine Rolle spielen. Ein Überblick zum Welttag der Wiederbelebung am 16. Oktober.
Im Alltag halten Menschen Abstand. Bei einer Herzdruckmassage ist plötzlich direkter Körperkontakt nötig. Auch die Sorge, Rippen zu brechen oder die Situation zu verschlimmern, kann bremsen. Die Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) gehen auf solche Hemmnisse ein.
Als häufigsten Grund für das Nichteingreifen nennt der Deutsche Rat für Wiederbelebung (German Resuscitation Council, GRC) die Angst, etwas falsch zu machen. Dabei fanden laut Reanimationsregister 2025 rund 70 Prozent der Wiederbelebungsversuche im häuslichen Umfeld statt. Wie lässt sich die Hemmschwelle also senken?
Eine Strategie setzt in der Schule an: Der GRC fordert Wiederbelebungsunterricht ab Klasse 7 mit jährlich zwei Unterrichtsstunden. Der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz empfahl 2014, das Thema in den Lehrplänen der Länder zu verankern. Flächendeckend umgesetzt ist die Empfehlung laut GRC aber nicht.
Damit entsteht ein Zielkonflikt: Wiederbelebung soll möglichst viele Menschen erreichen, muss aber im vollen Schulalltag untergebracht werden. Einmal gelerntes Wissen kann zudem verblassen. Regelmäßige Auffrischungskurse sollen helfen, Kenntnisse und Handlungssicherheit zu erneuern.
Ein anderer Ansatz setzt genau beim Notfall an: Wer die 112 wählt, kann von der Leitstelle Schritt für Schritt angeleitet werden. 2025 erhielten Ersthelfer in 38,4 Prozent der im Reanimationsregister erfassten Fälle telefonische Unterstützung. 2024 waren es 40,4 Prozent.
Nach Angaben der Bundesregierung gibt es in Deutschland zudem rund elf digitale Ersthelfer-Systeme, darunter Mobile Retter, Region der Lebensretter und KatRetter, bei denen sich Ersthelfer anmelden können. Bei einem vermuteten Herz-Kreislauf-Stillstand werden registrierte Helfer je nach System parallel zum Rettungsdienst über eine App alarmiert. Sie können dadurch schneller mit der Wiederbelebung beginnen oder in einigen Regionen auch einen Defibrillator zum Einsatzort bringen.
Dänemark gilt als Beispiel für eine langfristig ausgebaute Strategie zur Stärkung der Laienhilfe. Dazu gehören unter anderem Wiederbelebungsunterricht in Schulen und ein nationales Register öffentlich zugänglicher Defibrillatoren. Der Anteil der Fälle einer Reanimationsbehandlung durch Laien stieg laut dem dänischen Reanimationsregister von 20 Prozent im Jahr 2001 auf 77 Prozent im Jahr 2018 – also auf fast das Vierfache.
Training und telefonische Anleitung ergänzen sich: Schulungen stärken die Sicherheit vor dem Notfall, Leitstellen helfen im Ernstfall.
Entscheidend sei, die 112 zu wählen und sofort mit der Herzdruckmassage zu beginnen, sagte Gräsner.