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Schwere Depression

Tiefe Hirnstimulation kann helfen

Eine tiefe Hirnstimulation kann bei Menschen mit schwersten therapieresistenten Depressionen die Beschwerden deutlich lindern. Dies berichten Forscher der Universitätskliniken in Freiburg und Bonn im Fachjournal »Neuropsychopharmacology«.
Michelle Haß
01.04.2019
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Das Team um Professor Dr. Volker Coenen, Freiburg, untersuchte in einer kleinen Phase-I-Studie (FORSEE-II) den Einfluss tiefer Hirnstimulation auf Depressionspatienten. 16 Personen zwischen 29 und 71 Jahren wurden in die Studie einbezogen. Die Probanden litten seit 8 bis 22 Jahren an schwersten, behandlungsresistenten Depressionen. Im Schnitt hatten 18 medikamentöse Therapieversuche, 20 Elektrokrampftherapien und 70 Stunden Psychotherapie bei den Patienten keinen Erfolg gezeigt.

Die Forscher implantierten den Probanden hauchdünne Elektroden und stimulierten so ein bestimmtes Hirnareal, das sogenannte mediale Vorderhirnbündel. Dieses reguliert die Wahrnehmung von Freude und Belohnung und beeinflusst somit unter anderem die Motivation und empfundene Lebensqualität der Erkrankten. Mithilfe der etablierten Montgomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS) wurde die Symptomatik und damit die Wirksamkeit der Stimulationstherapie monatlich bewertet.

Bei 10 der 16 Probanden sanken die MADRS-Werte bereits innerhalb der ersten Woche. Alle 16 Studienteilnehmer reagierten im Laufe der Studie positiv auf die Behandlung. Im Schnitt halbierte sich die Schwere der Depression. Acht Teilnehmer hatten am Ende der Studie einen MADRS-Wert von unter 10 Punkten, was nicht mehr als behandlungsbedürfte Depression gilt. Die positiven Effekte der Hirnstimulation hielten dauerhaft über den gesamten Studienzeitraum von einem Jahr an.

Das Team sieht in der tiefen Hirnstimulation eine ernsthafte Therapieoption für Patienten mit schwersten Depressionsformen. In ihrer Veröffentlichung betonen die Forscher die Notwendigkeit weiterer Studien. Dabei müsse man vor allem verschiedene zerebrale Stimulations-Bereiche im Studiendesign berücksichtigen und deren sofortigen und langfristigen Wirkungen untersuchen. Aufbauend auf den Ergebnissen der FORSEE-II-Studie starteten die Freiburger Wissenschaftler bereits im Oktober 2018 eine weitere Studie (FORSEE-III). Darin sollen 50 schwerstdepressive Patienten eingeschlossen werden. Insgesamt 15 wurden bereits operiert.

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