| Lukas Brockfeld |
| 02.06.2026 16:20 Uhr |
Die Studie zeigte außerdem, dass die HzV zu hohen Mehrkosten in allen Leistungsbereichen in Höhe von 122 Euro pro Teilnehmenden und Jahr führt: Für alle Teilnehmenden addieren sich bei der TK die Mehrkosten auf insgesamt 160 Millionen Euro im Vergleich zu Nicht-HzV-Versicherten. Einen Mehrwert in Form einer besseren Versorgungssteuerung konnte die Studie nicht nachweisen. Bezogen auf die aktuell rund elf Millionen HzV Teilnehmenden in Deutschland ergeben sich daraus hochgerechnet Mehrkosten von etwa 1,3 Milliarden Euro im Jahr.
Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der TK, Thomas Ballast, unterstützt die Idee einer besseren Patientensteuerung jedoch weiterhin. »Die Hausärzte sind das Rückgrat der medizinischen Versorgung in Deutschland. Gleichzeitig brauchen wir ein durchdachtes Primärversorgungssystem, das Hilfesuchende gezielt durch die Versorgung führt. Die Evaluation zeigt, dass die HzV in der jetzigen Form dafür keine geeignete Grundlage ist«, so Ballast. Er spricht sich daher für ein System mit einer digitalen Ersteinschätzung und einer fallbezogenen Steuerung aus, das durch eine Hausarztzentrierten Versorgung freiwillig ergänzt wird.
Auch Jonas Schreyögg, Professor vom HCHE, findet deutliche Worte. »Die Studie zeigt, dass die HzV nur eine bedingte Steuerungswirkung aufweist. Unter anderem führt sie zu mehr Facharztkontakten und die Zahl der Krankenhausaufenthalte ist durch die HzV-Teilnahme nicht zurückgegangen«, so der Wirtschaftswissenschaftler. Ein Primärversorgungssystem brauche daher ein hohes Maß an Verbindlichkeit, um das Gesundheitswesen tatsächlich effizienter zu machen.
Doch es gibt auch Kritik an der Studie. So bezeichnete der Bundesvorsitzende des Virchowbundes, Dirk Heinrich, diese als einen »missglückten Beitrag in der aktuellen Diskussion«. Die Autoren hätten bewusst die Versorgungsrealität in Baden-Württemberg ausgeblendet, wo die Versorgung durch Hausärztinnen und Hausärzte zwingend an die fachärztliche Versorgung gekoppelt sei. »Nur so kann mehr Steuerung gelingen, denn ambulante Versorgung ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Haus- und Fachärzten gleichermaßen«, so der Virchowbund-Chef.
Der Ärztebund verweist auf das eigens entwickelte Modell des Koordinationsarztes. Jeder Patient hat darin einen koordinierenden Arzt, der ihn bei Bedarf an weitere Ärzte überweist. Das kann unter Umständen auch ein Facharzt sein. Dieser direkte Zugang zum Facharzt könne zur Entlastung des Hausarztes und zur Verbesserung der Versorgung beitragen.