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Primärversorgungssystem 
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Wie lassen sich die Patienten steuern? 

Bei einer vom GKV-Spitzenverband organisierten Podiumsdiskussion war man sich weitgehend einig, dass ein Primärversorgungssystem die Effizienz im Gesundheitswesen erhöhen kann. Doch wie sollen die Patienten konkret gesteuert werden? 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 20.05.2026  14:30 Uhr
Wie lassen sich die Patienten steuern? 

Das deutsche Gesundheitssystem gerät durch den demografischen Wandel zunehmend unter Druck. Die Bundesregierung möchte daher ein Primärversorgungssystem einführen, in dem Patienten zuerst ihren Hausarzt aufsuchen und nur bei Bedarf an einen Facharzt verwiesen werden. So sollen die sehr langen Wartezeiten in der spezialärztlichen Versorgung reduziert werden. Doch wie kann ein Primärversorgungssystem konkret aussehen? Darüber wurde am Dienstagabend bei der Veranstaltung »GKV Live« des GKV-Spitzenverbandes diskutiert. 

Für die Debatte waren Tino Sorge (CDU, Parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium), Janosch Dahmen (gesundheitspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen), Jutta Bleidorn (Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Jena und Vizepräsidentin der DEGAM) und Stefanie Stoff-Ahnis (stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes) eingeladen. Die Moderation übernahm Tim Szent-Ivanyi, Bundespolitikkorrespondent im Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Wie kann Ersteinschätzung funktionieren?

Stefanie Stoff-Ahnis erklärte eingangs das Problem. Deutschland sei in der paradoxen Situation, dass es im internationalen Vergleich sehr viele Arzt-Patienten-Kontakte habe und die Menschen gleichzeitig über zu lange Wartezeiten klagen. »Im Durchschnitt warten gesetzlich Versicherte 42 Tage auf einen Facharzttermin. Diejenigen, die glauben, dass sie dringenden Bedarf haben, warten 39 Tage, also kaum kürzer«, so Stoff-Ahnis. In einem künftigen Primärversorgungssystem müsse der medizinische Bedarf der Patienten das entscheidende Kriterium bei der Terminvergabe werden. 

Für Tino Sorge war klar, dass ein solches System nicht ohne ein gewisses Maß an Verbindlichkeit funktionieren kann. Doch damit die Versicherten ein solches System akzeptieren, müssten sie einen Mehrwert spüren. »Die Patienten müssen zeitnah einen Termin bekommen, wenn sie einen entsprechenden Behandlungsbedarf haben. Das ist für viele Versicherte der Punkt, an dem sie bereit sind, sich entsprechenden Steuerungsmechanismen zu unterwerfen, wenn sie als Gegenwert sehr schnell den benötigten Arzt bekommen«, erklärte der Staatssekretär. 

Die aktuell diskutierten Modelle sehen ein Ersteinschätzungsverfahren durch den Hausarzt vor. Der GKV-Spitzenverband kann sich allerdings auch digitale Verfahren vorstellen, beispielsweise über die Apps der Krankenkassen. Doch Jutta Bleidorn war skeptisch: »Digitale Ersteinschätzung ist nicht so trivial, wie es sich anhört. Das ist vor allem ein Sicherheitsproblem. Viele Ersteinschätzungsverfahren führen sogar zu mehr Arztkontakten, weil diese Systeme immer auf Nummer sicher gehen und nichts übersehen wollen«, sagte die Professorin. Außerdem seien viele ältere Menschen, die einen großen Teil der Patienten ausmachen, mit digitalen Anwendungen überfordert und fühlten sich abgehängt. 

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