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Aus Furcht vor Corona

Sterberate bei Schlaganfällen deutlich erhöht

Aus Angst vor einer Covid-19-Infektion haben Menschen mit leichteren Schlaganfallsymptomen in der ersten Pandemie-Welle offensichtlich nicht oder zu spät den Notarzt gerufen. Die Schlaganfallsterblichkeit war dadurch deutlich erhöht.
Christiane Berg
21.01.2021  17:30 Uhr

Das zeigt eine vor kurzem in der Zeitschrift »Stroke« veröffentlichte erste bundesweite Erhebung zur Schlaganfallversorgung in der Corona-Phase vom 16. März bis 15. Mai 2020. Demnach wurden in allen 1463 Krankenhäusern in Deutschland in diesen Monaten mit 31.165 Patientinnen und Patienten, die Zeichen eines akuten ischämischen Schlaganfalls zeigten, weniger Betroffene als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres aufgenommen. Im Vergleich zu den Monaten in 2019, so die Studienautoren, war das ein Rückgang von 18,5 Prozent. Mit Blick auf die Prä-Pandemiephase vom 16. Januar bis 15. März 2020 wiederum sei ein Rückgang von 17,4 Prozent zu verzeichnen.

Des Weiteren habe die Datenanalyse bei der Zahl der Patienten mit Transitorischen Ischämischen Attacken (TIA), die – sofern keine Behandlung erfolgt – als Vorboten zu schweren Schlaganfalls führen können, einen Rückgang von 26,1 beziehungsweise 22,9 Prozent gezeigt. Bei Patienten mit Hirnblutungen sei ein Rückgang von 15,8 Prozent zu registrieren.

Zeitgleich sei die Sterblichkeit von Patienten mit ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfällen in Krankenhäusern deutlich gestiegen. Diese habe sich im Beobachtungszeitraum während der Pandemie im Vergleich zum Zeitraum unmittelbar davor mit 8,1 versus 7, 6 Prozent bei Hirnblutungen sowie 34,9 Prozent versus 29,9 Prozent bei Hirninfarkten als signifikant erhöht erwiesen.

Patienten kommen zu späte für medikamentöse Lyse

Die erhöhte Sterblichkeitsrate, so die Studienautoren, ist darauf zurückzuführen, dass während der Pandemie mehr Patienten mit schweren Symptomen und somit schlechterer Prognose eingeliefert wurden. Die Akutversorgung während der Pandemiephase habe, sofern sie stattfand, eine gleich hohe Qualität aufgewiesen. Die Lyserate betrug – wie im Vorjahr – 16,4 Prozent. Hingegen habe sich die Thrombektomierate mit 8,1 Prozent höher als in der Prä-Pandemiephase (7,7 Prozent) gezeigt.

Auch an dieser erhöhten Thrombektomierate lasse sich ablesen, dass die Schlaganfallpatienten später und stärker betroffen die Kliniken erreichten. »Offensichtlich war das Zeitfenster für die medikamentöse Lysetherapie in vielen Fällen abgelaufen, sodass nur noch der interventionelle Eingriff als Therapieoption blieb«, so Professor Dr. Christos Krogias in einer begleitenden Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Die Ergebnisse der Datenanalyse zeigen, dass die Akutversorgung in Deutschland während dieser ersten Pandemiephase ohne Einbußen möglich war, so der Neurologe, der Ko-Autor der Studie ist. »Allerdings können wir nur helfen, wenn Patienten mit Schlaganfallsymptomen nicht zögern, sondern umgehend den Notruf 112 anrufen«, hebt er hervor.

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