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Muskelzellen

Statine beeinflussen Tausende Gene

Statine können Muskelzellen schädigen und schlimmstenfalls eine Rhabdomyolyse auslösen. Doch wie kommt diese Nebenwirkung zustande? Ein Berliner Forscherteam hat jetzt herausgefunden, dass Statine die Ablesung von Genen in Muskelzellen massiv beeinflussen.
Annette Mende
17.02.2020
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Für ihre im Fachjournal »Scientific Reports« erschienene Studie untersuchten die Wissenschaftler des Max Delbrück Centrums (MDC) für Molekulare Medizin und der Charité 22 Populationen menschlicher Muskelzellen, die sie jeweils zwei verschiedenen Statinen aussetzten: dem lipophilen Simvastatin und dem hydrophilen Rosuvastatin. Anschließend analysierten die Forscher um Dr. Stefanie Anke Grunwald das sogenannte Expressom der Zellen, sie bestimmten also, welche Gene in den Zellen jeweils angeschaltet waren und in Proteine umgesetzt wurden und welche nicht. Zudem analysierten sie den Stoffwechsel der Zellen und beurteilten ihren Zustand anhand morphologischer Kriterien.

»Die Ergebnisse waren hochinteressant«, sagt Seniorautorin Professor Dr. Simone Spuler in einer Pressemitteilung des MDC. Statine übten offensichtlich in der allgemein üblichen Wirkstoffmenge »dramatische strukturelle, funktionelle und metabolische Effekte auf die Muskeln aus«. Rund 2500 Gene waren in Anwesenheit der Medikamente anders reguliert als gewöhnlich. Dadurch war die Produktion von mehr als 900 Proteinen verändert: Sie wurden entweder in geringeren oder größeren Mengen synthetisiert als üblich. Simvastatin hatte dabei einen stärkeren Einfluss als Rosuvastatin.

Beide Statine drosselten in den Muskelzellen nicht nur die Biosynthese von Cholesterol, sondern auch den Fettsäurestoffwechsel insgesamt sowie die Produktion von Eicosanoiden. Diese hormonähnlichen Substanzen sind unter anderem an der Entwicklung differenzierter Muskelzellen aus Muskelvorläuferzellen und an der Schmerzentstehung beteiligt. Beides könnte dazu beitragen, dass Statine als Nebenwirkung Muskelschmerz auslösen können.

»Mithilfe funktioneller Analysen konnten wir bestätigen, dass die Entwicklung, das Wachstum und die Teilung der Skelettmuskelzellen durch die Statine beeinträchtigt werden«, sagt Spuler. Die Gabe von Omega-3- oder Omega-6-Fettsäuren machte die Wirkungen von Simvastatin und Rosuvastatin teilweise rückgängig. Eine ergänzende Einnahme entsprechender Präparate könne daher eine Möglichkeit sein, um einer Statin-bedingten Myopathie vorzubeugen oder sie zu behandeln.

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