| Theo Dingermann |
| 06.01.2026 16:00 Uhr |
In Rattenstudien blockierte der Impfstoff 92 bis 98 Prozent des Fentanyls und verhinderte, dass relevante Dosen die Blut-Hirn-Schranke überwinden und ins Gehirn gelangen konnten. Der Schutz hielt bei Tieren mindestens 20 Wochen an, was nach Ansicht der Forschenden ungefähr einem Jahr Schutz beim Menschen entsprechen könnte.
Zwar zeigt der Impfstoff in vitro keine Kreuzreaktion mit anderen Opioiden wie Morphin, Oxycodon oder Methadon, was bedeutet, dass geimpfte Personen weiterhin alternative Schmerzmedikamente erhalten könnten. Dies muss allerdings rigoros bei menschlichen Patienten getestet werden, um sicherzustellen, dass durch die Impfung nicht eine wichtige Therapieoption genommen wird.
Umfragen in den USA zeigen, dass eine Akzeptanz eines Fentanyl-Impfstoffs prinzipiell vorhanden ist. Eine wichtige Zielgruppe für den Impfstoff wären Jugendliche und junge Erwachsene, die beim Konsum von Drogen versehentlich mit Fentanyl in Kontakt kommen könnten. Das ist ein durchaus realistisches Szenario, da Fentanyl wegen der enormen Wirksamkeit und des hohen Suchtpotenzials anderen Drogen beigemengt wird. Auch Personen mit einer Opioid-Abhängigkeit, die sich in aktiver Behandlung befinden, wären geeignete Kandidaten für eine Impfung.
ARMR ist nicht das einzige Unternehmen, das einen immunologischen Ansatz im Bereich der Suchtprävention verfolgt. Das Unternehmen Counter-X Therapeutics entwickelt außer Impfstoffkandidaten gegen Fentanyl und Heroin auch monoklonale Antikörper. Diese scheinen einen etwa Monat langen Schutz vor Überdosierung zu bieten.
Der Gründer des Unternehmens Counter-X Therapeutics, Dr. Marco Pravetoni, glaubt, dass ein kurzfristiger Schutz kommerziell praktikabler sein könnte, insbesondere angesichts der aktuellen politischen Einstellung in den USA zu Impfstoffen. »Wir denken, dass ein Monat Schutz ziemlich gut ist, um ein Sicherheitsnetz bereitzustellen«, sagt Pravetoni gegenüber der Plattform »The Tech Buzz«. Sein in Seattle ansässiges Unternehmen beginnt ebenfalls Anfang 2026 mit Studien am Menschen.
Sollten die Impfstoffe das klinische Evaluationsprogramm erfolgreich durchlaufen, werden sie das Suchtproblem nicht lösen und die Menschen nicht davon abhalten, sich Drogen zu beschaffen. Aber sie könnten für eine bestimmte Zielgruppe eine entscheidende Hilfe in der Opioid-Krise bedeuten, in der durch Überdosierung zuletzt jährlich mehr als 100.000 Amerikaner starben.