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Interview Tomas Mihal
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Stada zwischen Apotheke, dm und Versand

Stada wurde einst von Apothekern gegründet und beruft sich bis heute auf die enge Partnerschaft. Gleichzeitig setzt der Hersteller auf Online-Präsenz und will mit seinen Produkten auch in Drogeriemärkten gefunden werden. Über die Strategie des Unternehmens, Hero-Brands und den Aliud-Skandal sprach die PZ mit Deutschlandchef Tomas Mihal.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 08.09.2026  09:00 Uhr

PZ: Standardarzneimittel Deutscher Apotheker – wie viel der Genossenschaft von 1895 steckt heute noch in Stada?

Mihal: Die Gründungsidee von 1895 lebt im Kern weiter: Damals schlossen sich Dresdner Apotheker zusammen, um gemeinsam hochwertige, wirtschaftliche Arzneimittel herzustellen – im Sinne von Selbsthilfe und gemeinschaftlichem Handeln. Die Nähe zur Apotheke und zum Patienten ist bis heute ein zentraler Bestandteil des Selbstverständnisses des Unternehmens, auch wenn Stada längst zu einem globalen Konzern geworden ist.

PZ: Wie wichtig sind die einzelnen Geschäftsbereiche Consumer Healthcare, Generika und Spezialpharmazeutika?

Mihal: Die drei Säulen ergänzen sich in ihrer Risiko- und Ertragslogik: Generika liefern Volumen und Marktzugang, Consumer Healthcare (CHC) bringt margenstarkes, verbrauchernahes Markengeschäft, und Spezialpharmazeutika sorgen für Innovation und Wachstumsdynamik in spezialisierten Indikationen. Diese Diversifikation macht Stada widerstandsfähiger.

PZ: Wo sehen Sie die größten Chancen in den kommenden fünf Jahren?

Mihal: Die größten Chancen liegen in einer Kombination aus organischem Markenwachstum im Consumer-Healthcare-Bereich – durch Hero-Brands und die Internationalisierung starker Marken – sowie gezielten Akquisitionen in Spezialpharmazeutika. Im Generikageschäft liegt der Fokus auf Effizienz, Portfoliobreite und Versorgungssicherheit.

PZ: Was macht eine Hero-Brand im OTC-Markt aus?

Mihal: Hohe, generationsübergreifende Bekanntheit, ein klares Indikationsversprechen, das Patienten und Kunden sofort verstehen und eine feste Verankerung im Beratungsgespräch der Apotheke – die Marke wird von Apothekern aktiv empfohlen, nicht nur passiv verkauft.

PZ: Welche Rolle spielen Beratung und Empfehlung durch Apotheker?

Mihal: Bekanntheit allein reicht nicht aus – insbesondere im OTC-Bereich. Die Apotheke und die fachkundige Beratung sind oft der entscheidende Kaufauslöser, da sie Vertrauen und eine fachliche Legitimation vermitteln, die reine Werbung nicht leisten kann oder sollte. Deshalb bleibt die Zusammenarbeit mit der Apotheke ein zentraler Hebel für Stada, auch wenn digitale Kanäle an Bedeutung gewinnen.

PZ: Wie kann Stada die Apotheken noch besser unterstützen?

Mihal: Stada unterstützt durch einen starken Außendienst und persönliche Betreuung vor Ort. Es gibt gezielte Marketingkampagnen, hochwertige Fortbildungs- und Schulungsangebote, Innovationen, die gezielt für den Apothekenkanal entwickelt werden, und Maßnahmen, die Frequenz fördern. Sicherlich können wir uns darin verbessern, wie gut diese einzelnen Elemente zusammenwirken.

PZ: Was erwarten Sie im Gegenzug von den Apotheken?

Mihal: Was wir vor allem erwarten, ist eine echte Partnerschaft – die Bereitschaft, unseren Marken angemessene Sichtbarkeit zu geben und sie aktiv zu empfehlen, wenn sie zu den Bedürfnissen eines Patienten passen, ebenso wie wir in die Unterstützung des Apothekengeschäfts investieren. Es ist eine Beziehung auf Gegenseitigkeit.

PZ: Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Versandhandel und Vor-Ort-Apotheke?

Mihal: Die Vor-Ort-Apotheke bleibt der zentrale Partner in der Patientenversorgung und für Stada. Marketing und Vertrieb basieren weiterhin maßgeblich auf der stationären Apotheke. Stada wird immer dort präsent sein, wo Kunden suchen. Das bedeutet zunehmend auch, über Online-Apotheken und andere digitale Kanäle präsent zu sein.

PZ: Anfang des Jahres hat ein Aliud-Werbespot für erhebliche Irritationen in der Apothekerschaft gesorgt, da gezielt der Versand empfohlen wurde.

Mihal: Wir nehmen diese Reaktionen sehr ernst. Apotheken sind klar unser wichtigster Partner! Wenn also eine Kommunikationsmaßnahme so wahrgenommen wird, dass sie diese Rolle infrage stellt, ist es verständlich, dass das Irritationen auslöst. Unser Commitment zu Apotheken als unserem primären Partner hat sich nicht verändert. Speziell bei OTC-Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln nutzen Kunden heute natürlich auch andere Kanäle wie Online-Apotheken und Amazon-Apotheken. Auch dort müssen wir präsent sein, wenn die Nachfrage besteht. Präsenz in neuen Kanälen war jedoch nie dazu gedacht, die Apothekenbeziehung zu beeinträchtigen, und ich kann verstehen, warum der Spot so aufgefasst wurde.

PZ: Was würden Sie heute anders machen?

Mihal: Unsere Überzeugung bleibt, dass Stada auch künftig alles in seiner Macht Stehende tun wird, um Apotheken zu unterstützen. Wenn eine Marketingkommunikation diese Überzeugung nicht klar genug widerspiegelt, müssen wir das an der Quelle beheben. Das bedeutet eine engere Abstimmung darüber, wie unsere Mitarbeiter über die Kanalwahl kommunizieren, damit die Bewerbung der Verfügbarkeit in neuen Kanälen niemals als Untergrabung der Rolle der Apotheke gelesen wird. Was wir heute anders machen: Wir stellen sicher, dass unser Grundsatz »Apotheken als unser primärer Partner« vor dem Start jeder Kampagne explizit geprüft und nicht einfach vorausgesetzt wird. Letztlich werden unsere zukünftigen Handlungen – nicht nur unsere Aussagen – dieses Thema endgültig abschließen.

PZ: Mit neuen Playern wie dm verändert sich der OTC-Markt erneut. Ist das für Stada eher Chance oder Risiko?

Mihal: Deutsche Verbraucher kaufen bereits heute einen erheblichen Teil ihrer Gesundheitsprodukte in Drogeriemärkten. Genau deshalb wollen wir dort präsent sein, wo Patienten nach Gesundheitsprodukten suchen, und sehen darin eine Chance für unser Geschäft. Für die eigene Markenstrategie von Stada dürfte dies die Bedeutung von Markenvertrauen und Apothekenbeziehungen eher erhöhen als verringern – gerade weil Beratung und Fachkompetenz das sind, was ein Drogeriemarkt nicht bieten kann.

PZ: Welche Marke aus Ihrem Portfolio würden Sie jemandem zeigen, der Stada überhaupt nicht kennt – und warum gerade diese?

Mihal: Leider können wir nicht nur eine einzige Marke nennen – und genau das ist eigentlich schon die Antwort. Würde jemand Stada überhaupt nicht kennen, würde ich ihm daher lieber drei Produkte zeigen, eines aus jeder Säule, um diese Komplexität und Vielfalt greifbar zu machen. Aus dem Bereich Consumer Healthcare würde ich Ladival zeigen, aus dem Generika-Bereich unsere jüngste Aliud-Markteinführung, die Ivermectin AL Creme, derzeit die einzige generische Ivermectin-Creme auf dem deutschen Markt zur Behandlung von Rosacea. Und aus dem Bereich Specialpharmazeutika würde ich Lecigon hervorheben.

 

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