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Zirkadianer Rhythmus

Sport wirkt abends anders als morgens

Ob man sich lieber morgens oder abends bewegt, ist mit Blick auf den Stoffwechsel offenbar nicht egal: Forscher aus den USA und aus Dänemark haben jetzt bei Mäusen gezeigt, dass Sport am Morgen andere Effekte hat als am Abend. Das ideale Trainingsprogramm sollte somit auch den zirkadianen Rhythmus berücksichtigen. Konkrete Empfehlungen gibt es aber noch nicht.
Annette Mende
17.06.2019
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Als zirkadianen – also dem Tagesverlauf folgenden – Rhythmus bezeichnet man die Veränderung physiologischer Vorgänge im Körper über eine Zeitspanne von 24 Stunden. So haben Menschen etwa ihre aktive Zeit tagsüber und ruhen nachts, woran unter anderem Wachheit und Stoffwechsel angepasst sind. Die Wissenschaftler um Dr. Shogo Sato von der University of California in Irvine hielten es daher für möglich, dass sich körperliche Anstrengung abhängig vom Tageszeitpunkt verschieden auf den Körper auswirkt.

Ihre Untersuchungen machten sie mit Mäusen, die als nachtaktive Tiere einen genau entgegengesetzten zirkadianen Rhythmus haben wie Menschen. Die Forscher sorgten dafür, dass die Tiere sich entweder abends, also zu Beginn ihrer aktiven Phase, oder morgens bewegten, und maßen anschließend, wie sich das auf die Transkription und den Metabolismus von Muskelzellen auswirkte.

Insgesamt war der Effekt von Sport zu Beginn der aktiven Phase deutlich stärker als zu Beginn der Ruhephase. Bewegten sich die Mäuse abends, regte das unter anderem die Glykolyse als auch die Fettverbrennung in Muskelzellen an. Auf den Menschen übertragen, könnte also morgendliche Bewegung vor allem für übergewichtige Patienten und Typ-2-Diabetiker wertvoll sein. Sport zu Beginn der Ruhephase scheint dagegen deutlich mehr als zu Beginn der aktiven Phase den Energieverbrauch auch in den Stunden danach noch anzukurbeln.

»Wir können daher nicht sagen, dass es besser ist, sich morgens zu bewegen statt abends«, sagt Professor Dr. Jonas Thue Treebak vom Novo Nordisk Foundation Center for Basic Metabolic Research in Kopenhagen, einer der Autoren der Studie, in einer Pressemitteilung der Universität Kopenhagen. »Momentan können wir nur feststellen, dass es unterschiedliche Effekte gibt.«

Die Wissenschaftler wollen nun mit menschlichen Probanden untersuchen, ob sportliche Betätigung zu bestimmten Tageszeiten sich als Behandlungsstrategie für Patienten mit metabolischen Erkrankungen eignet. Eine Schlüsselrolle scheint dabei das Protein HIF1α zu spielen, ein zentraler Regulator der Glykolyse bei Hypoxie, der den Ergebnissen zufolge ausschließlich bei Anstrengung während der aktiven Phase aktiviert wird.

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