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Tag der Organspende

Spendenbereitschaft deutlich gestiegen

Der überwiegende Teil der Bevölkerung steht dem Thema Organ- und Gewebespende positiv gegenüber. Das hat eine bundesweite Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bereits 2018 gezeigt. Das zunehmende Interesse spiegelt sich auch in der gestiegenen Zahl der bei der BZgA in den ersten Monaten 2020 angeforderten Organspendeausweise wieder.
Christiane Berg
05.06.2020  16:54 Uhr

»Die Diskussion um die gesetzlichen Regelungen zu Beginn dieses Jahres hat das Thema Organspende verstärkt in den Blickpunkt gerückt. Von Januar bis April wurden bei der BZgA deutlich mehr Organspendeausweise bestellt und heruntergeladen als im Vorjahreszeitraum. Dieses hohe Interesse am Organspendeausweis und die zunehmend positive Einstellung zur Organ- und Gewebespende sind sehr erfreuliche Entwicklungen«, so Professor Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, in einer Pressemitteilung zum Tag der Organspende am 6. Juni.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres seien bei der BZgA etwa 2,23 Millionen Organspendeausweise bestellt worden. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres seien 1,68 Millionen Bestellungen eingegangen. Außerdem seien deutlich mehr Organspendeausweise aus dem Internet heruntergeladen worden: Die Zahl der Downloads habe sich von knapp 41.500 in den ersten vier Monaten in 2019 auf mehr als 72.500 im gleichen Zeitraum in 2020 erhöht.

Die BZgA betont, dass eine Organ- und Gewebespende auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie möglich ist. Alle potentiellen Spender werden im Vorfeld auf das Virus getestet. Nur wenn der Test negativ ausfällt, komme es zu einer Spende.

Gerade junge Menschen interessiert

Deutlich mehr Menschen als im Vorjahr stehen einer Organspende positiv gegenüber. Das hat auch die Krankenkasse Barmer in einer aktuellen Mitteilung bestätigt. In einer repräsentativen Umfrage ihrer rund 1.000 Versicherten im vergangenen Monat hätten 32 Prozent der Befragten erklärt, dass sie zur Organspende bereit seien. Ein Jahr zuvor seien es mit 23 Prozent deutlich weniger gewesen. Zugleich sei die Zahl derer, die eine Organspende fest ausschließen, von 16 Prozent auf 9 Prozent gesunken.

Die Umfrage zeige, dass vor allem junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren mit 43 Prozent eine höhere Bereitschaft zur Organspende zeigen. Zugleich sehe man vor allem bei den Älteren, dass der Organspende-Skandal nachwirke. So hätte unter den 16- bis 25-Jährigen jeder Fünfte bestätigt, dass durch den Skandal sein Vertrauen gesunken sei. Bei den Befragten zwischen 51 und 64 Jahren sei dieser Wert doppelt so hoch.

Die Befragung belegt außerdem, dass die seit Januar dieses Jahres geltende Zustimmungslösung mehrheitlich auf ein positives Echo stößt. 59 Prozent der Befragten bevorzugen diese Lösung gegenüber einer Widerspruchslösung. 80 Prozent gaben an, dass sich ihre Einstellung durch die neue Rechtslage nicht verändert hat. Bei 16 Prozent sei die Einstellung positiv und bei vier Prozent negativ beeinflusst worden.

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