| Cornelia Dölger |
| 21.01.2026 13:14 Uhr |
Pantazis sieht in der Debatte »ein Stakkato an neoliberalen Vorschlägen aus der Mottenkiste der Neunzigerjahre«. Statt auf evidenzbasierte Politik ziele man auf Misstrauen gegenüber Mitarbeitenden. Eine Überprüfung der AU-Regelung ohne neue Evidenz sei »Symbolpolitik« und schade dem Vertrauen in das Gesundheitssystem. Zu einer modernen und solidarischen Gesundheitsversorgung gehöre die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung.
»Ich bin genervt«, postete der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Mieves zur Debatte. Seit Jahren mache die Union Stimmung gegen die telefonische Krankschreibung. Nun gehe es wieder los: »Misstrauen statt Fakten. Unterstellungen statt Lösungen. Beschäftigte geraten erneut unter Generalverdacht«, so der Digital- und Gesundheitspolitiker auf LinkedIn. Obwohl die Fakten bekannt seien, werde die Debatte immer wieder neu aufgelegt. »Es fühlt sich an wie eine Platte mit Sprung.«
Dass mehr Menschen krankgeschrieben würden als früher, liege nicht an »mehr Kranksein« oder »mehr Missbrauch«, erklärt Mieves. Vielmehr sei die Erfassung mit der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) im Jahr 2022 verbessert worden. Die telefonische Krankschreibung sei zudem »kein Schlupfloch, sondern ein kluges Instrument des Bürokratieabbaus«.
Arbeitnehmenden Missbrauch zu unterstellen, sei falsch. Vielmehr belegten Zahlen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), dass 63 Prozent 2024 mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen seien, 44 Prozent sogar länger als eine Woche. Ein »echtes Leistungsproblem« stelle vielmehr die Tatsache dar, dass in Deutschland rund die Hälfte aller Überstunden unbezahlt bleibe. Die Menschen bräuchten Vertrauen und faire Bedingungen, die Politik solle sich nicht »an billiger Stimmungsmache« orientieren.
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