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Heilmittelversorgung

Spahn will Therapeuten stärken

Heilmittelerbringer sollen künftig mehr Geld erhalten und von besseren Arbeitsbedingungen profitieren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat heute die Eckpunkte einer Reform vorgestellt, die den Therapeuten auch mehr Kompetenzen übertragen soll.
Stephanie Schersch
05.12.2018
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Schon lange klagen Heilmittelerbringer wie Physiotherapeuten und Logopäden über beruflich schlechte Rahmenbedingungen und zu wenig Gehalt. »Diese Proteste waren begründet« sagte Spahn heute in Berlin. So seien die durchschnittlichen Entgelte in den ambulanten Praxen deutlich zu niedrig und würden unter denen anderer Gesundheitsfachberufe liegen. Hier müsse sich dringend etwas tun, sagte der Minister mit Blick auf einen drohenden Fachkräfte-Engpass. »Sonst blutet diese Branche aus.«

In Zukunft sollen nun stärkere Honorarsteigerungen in den Preisverhandlungen mit den Krankenkassen möglich sein, indem die Grundlohnsumme als Bezugsgrenze wegfällt. Anstelle regional bislang sehr unterschiedlicher Vereinbarungen sollen zudem bundeseinheitliche Verträge mit den Kassen treten. Dafür sollen zunächst die Höchstpreise für Heilmittelleistungen vereinheitlicht und auf den jeweils höchsten von einer Krankenkasse in einer Region geregelten Preis angehoben werden.

Darüber hinaus sollen bürokratische Vorgaben wegfallen und ein vereinfachtes Zulassungsverfahren kommen. Auch das Schulgeld will der Minister abschaffen. Heilmittelerbringer würden vielen hunderttausend Patienten helfen, so Spahn. »Das muss uns als Gesellschaft mehr wert sein.« Künftig sollen die Therapeuten demnach auch mehr Kompetenzen übernehmen. Geplant ist eine sogenannte Blankoverordnung, auf der Ärzte eine Indikation stellen und ein Heilmittel verschreiben. Die konkrete Leistung sowie die Dauer der Behandlung bestimmt anschließend der Therapeut. Bis März 2020 sollen Krankenkassen und Ärzte festlegen, in welchen Fällen eine solche Form der Verschreibung infrage kommt.

Rund 600 Millionen Euro dürften die Pläne des Gesundheitsministers die Krankenkassen pro Jahr kosten. Profitieren sollen davon etwa 130.000 Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Podologen und Diätassistenten. Die Regelungen sollen über einen Änderungsantrag in das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) eingebracht werden, über das in der kommenden Woche der Bundestag in erster Lesung berät. Inkrafttreten könnten die Regelungen dann bereits im April 2019.

 

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