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Infektionsschutz

Spahn setzt bei Corona-App nun auf dezentralen Ansatz

Nach heftiger Kritik von Datenschützern schwenkt die Regierung bei der geplanten App zur besseren Nachverfolgung von Corona-Infektionen um auf den Einsatz einer dezentralen Softwarearchitektur.
dpa
PZ
26.04.2020  12:14 Uhr
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Die Bundesregierung setzt bei der geplanten Corona-Warn-App nun auf einen dezentralen Ansatz, um Bedenken von Datenschützern zu zerstreuen. Das teilte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) am Sonntag mit. Das vom Robert Koch-Institut (RKI) mit entwickelte Konzept PEPP-PT (Pan European Privacy-Preserving Proximity Tracing) war in die Kritik von Datenschützern geraten, weil zentrale Server hier eine größere Rolle spielen. Daher will die Bundesregierung nach eigenen Angaben nun den Einsatz einer konsequent dezentralen Softwarearchitektur vorantreiben. Und damit eine App, die »die in Kürze zur Verfügung stehenden Programmierschnittstellen der wesentlichen Anbieter von mobilen Betriebssystemen nutzt und gleichzeitig die epidemiologische Qualitätssicherung bestmöglich integriert«, erklärten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Kanzleramtschef Helge Braun (beide CDU).

Ihr Ziel sei es, dass angesichts der bereits erfolgenden Öffnungen nach den umfangreichen Kontaktbeschränkungen »sehr bald die Tracing-App einsatzbereit ist« und in der Bevölkerung sowie der Zivilgesellschaft eine breite Akzeptanz finde. »Die Nutzung der App durch möglichst große Teile der Bevölkerung ist die Grundlage ihres Erfolges.«

Die Tracing-App soll helfen, Kontaktpersonen von Infizierten schnell und einfach warnen zu können. Dazu sollen laut BMG zwischen zwei oder mehreren Nutzern der Anwendung, die sich über einen längeren Zeitraum in kritischer Nähe zueinander aufhalten, temporäre verschlüsselte Identitäten ausgetauscht werden. Im Infektionsfall soll ohne Identifikation der Kontaktpersonen der infizierten Nutzer eine Benachrichtigung veranlasst werden. Die Kontaktperson soll so eine entsprechende Warnung erhalten können.

In der Smartphone-Anwendung soll zudem  auch die Möglichkeit integriert werden, dass Bürger »freiwillig in pseudonymisierter Form Daten zur epidemiologischen Forschung und Qualitätssicherung an das RKI übermitteln können«.

 

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