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Carol Rama
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Später Ruhm für die Rebellin

Sexualität, Krankheit und Wahn sind die Themen, die sich wie ein roter Faden durch das Werk von Carol Rama ziehen. Eine Retrospektive aus der 70-jährigen Schaffensphase der exzentrischen Künstlerin aus Turin ist nun in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main zu sehen.
AutorKontaktAngela Kalisch
Datum 21.10.2024  07:00 Uhr

Erweiterung der Leinwand

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung stellen die sogenannten Bricolagen dar, mit denen Rama die zwei­dimensionale Leinwand verlässt, um die Malerei mit Objekten zu erweitern, die in den Raum hineinragen. Als Materialien dienen Alltagsgegenstände, mit denen sie Kunst und normales Leben zusammenführt: Rasierpinsel, medizinische Spritzen, abgeschnittene Tuben und immer wieder Puppenaugen, die den Blick vom Kunstwerk auf die Betrachtenden zurückwerfen.

Die Bricolagen greifen Themen der frühen Zeichnungen auf, mit expliziten Darstellungen von Sexualität und beschädigter Körperlichkeit. Aufgeschnittene Autoreifen und Fahrradschläuche als Material erinnern schließlich nicht nur an die einstige Fabrik des Vaters, sondern integrieren auch den Indus­trie­standort Turin in die Kunst.

Carol Rama war eine Rebellin in einer männerdominierten (Kunst-)Welt, aus der sie sich durch ihre unkonventionellen Werke befreite. Nicht zuletzt durch ihre schillernde Persönlichkeit wurde sie auch zur Wegbereiterin feministischer Kunst. Zu wirklichem Ruhm gelangte sie erst spät, etwa als sie im Jahr 2003 mit dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Entsprechend ungehalten reagierte sie auf die jahrelang ausgebliebene Würdigung: »Das macht mich natürlich stocksauer, denn wenn ich wirklich so gut bin, kapiere ich nicht, warum ich so lange hungern musste, auch wenn ich eine Frau bin.« 

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