Ob neuer Job oder auch nur verschobener Termin: Abweichungen vom Gewohnten sind für manche Menschen sehr belastend. / © Getty Images/Armand Burger
Während sich manche Menschen nach Abwechslung und Neuem sehnen, fühlen sich andere durch Veränderungen eher gestresst und verunsichert. Nicht nur große Änderungen wie ein neuer Job oder ein Umzug, sondern auch kleine Abweichungen im Alltag – etwa ein verschobener Termin – können zur Herausforderung werden.
Betroffene verspüren durch ungewohnte Situationen häufig eine starke innere Anspannung, sind gereizt, schlafen schlechter und können sich nicht gut konzentrieren. Normale Alltagsanforderungen wie Einkaufen oder Kochen können in solchen Situationen zu großen Hürden werden.
Es gibt verschiedene Gründe, warum Veränderungen für manche Menschen eine größere Belastung darstellen als für andere. »Das ist keineswegs ein Zeichen von Schwäche«, so der Psychiater Steffen Häfner. So reagiere etwa sensibler auf Veränderungen, wer in der Vergangenheit oft Unsicherheiten, Instabilität und Kontrollverlust erlebt hat. Weitere Faktoren sind ein geringes Selbstvertrauen, fehlende soziale Unterstützung und wenn eine Veränderung nicht freiwillig, sondern erzwungen ist.
»Besonders häufig beobachten wir diese Überforderung bei Menschen mit Angst- oder Zwangsstörungen, Depressionen oder mit traumatischen Erfahrungen«, so Häfner. »Auch jene mit Hochsensibilität, ADHS oder der Autismus-Spektrum-Störung leiden oft stärker unter Abweichungen vom Gewohnten als andere«.
Betroffene reagierten oft mit sozialem Rückzug, um ihre Abläufe kontrollierbar zu halten und Ungewohntes zu vermeiden. Das verschaffe ihnen zwar kurzfristig Entlastung und Sicherheit, könne langfristig aber dazu führen, dass sie sich stark einschränken und wertvolle Chancen und Erfahrungen im Leben verpassen.
»Häufig entsteht so ein Kreislauf: Die Symptome führen zu vermehrtem Rückzug, wodurch wiederum weniger positive Erfahrungen mit Veränderungen gemacht werden, was den Wunsch nach Vermeidung weiter verstärkt«, erklärt Häfner.