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GKV-Ausgaben

So groß war die Ausgaben-Delle bei Arzneimitteln im ersten Lockdown

Der erste Coronavirus-Lockdown im März 2020 führte auch im ambulanten Teil des Gesundheitswesens zu außergewöhnlichen Situationen. Denn Millionen von Menschen zogen damals Arztbesuche vor und gingen danach dann wochenlang gar nicht mehr zum Arzt und in die Apotheke. Wie heftig der Umsatz im Folgemonat April einbrach, zeigt sich erst jetzt anhand der Vergleichswerte aus dem April 2021.
Benjamin Rohrer
31.05.2021  17:00 Uhr

Viele Apothekenteams werden sich noch sehr gut an die Situationen im Februar und März 2020 erinnern: Mit der sich verschärfenden Coronavirus-Pandemie und kurz vor dem ersten bundesweiten Lockdown deckten sich die Menschen fast panisch mit Lebens- und Arzneimitteln ein. Im März 2020 sorgte dann noch eine Fake-Meldung zu möglichen negativen Wirkungen von Ibuprofen im Falle einer Corona-Erkrankung dafür, dass die Apothekenkunden die Paracetamol-Vorräte der Apotheken quasi an einem Geschäftstag aufkauften. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) war sogar gezwungen, Apotheker und Großhändler anzuordnen, Paracetamol-haltige Präparate nur noch kontingentiert abzugeben.

Was folgte, war das genaue Gegenteil. Denn während des ersten Lockdowns verringerten sich die Arzt- und somit auch die Apothekenbesuche drastisch. Wie groß die Um- und Absatzverwerfungen im vergangenen Jahr waren, zeigt sich erst jetzt, weil nun die Frühinformationen des Deutschen Apothekerverbands (DAV) für den Monat April 2021 vorliegen. Natürlich gab es auch in diesem Jahr in den Monaten März und April noch Kontaktbeschränkungen und nachts sogar Ausgangssperren. Die Mobilitätsreduktion war jedoch in den Vorjahresmonaten viel deutlicher.

April 2021: 16,9 Prozent mehr Arzneimittelausgaben als ein Jahr zuvor

Konkret haben die Krankenkassen für Arzneimittel (ohne Impfstoffe) im April 2021 rund 3,7 Milliarden Euro ausgegeben. Das entspricht einem Anstieg um 16,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, bei gleichzeitigem Anstieg der Rezeptzahlen um 9,8 Prozent. Zur Erklärung: Zwischen März und April 2020 hatten sich die GKV-Ausgaben für Arzneimittel schlagartig um etwa 700 Millionen Euro reduziert. In diesem Jahr lag der Unterschied zwischen diesen beiden Monaten nur bei etwa 280 Millionen Euro. Dass die Arzneimittelausgaben nach dem Ende des Winters und der Erkältungssaison in Richtung Frühling absinken, dürfte normal sein. Der Unterschied von mehr als 400 Millionen Euro zwischen den ersten vier Monaten des Jahres 2020 und dem gleichen Zeitraum in diesem Jahr zeigt aber, wie heftig der erste Lockdown sich auf den Apothekenmarkt auswirkte.

Bezogen auf den gesamten Viermonatszeitraum Januar bis April 2021 sind die GKV-Arzneimittelausgaben ebenfalls deutlich gestiegen. Während in den ersten vier Monaten des Jahres 2020 rund 13,5 Milliarden Euro ausgegeben wurden, waren es zwischen Januar und April 2021 14,5 Milliarden Euro, was einem Plus von rund 7,3 Prozent entspricht.

Die Impfstoffausgaben der GKV sind im April 2021 um 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat angestiegen. Trotzdem sind sie im Jahresvergleich recht stabil: Im gesamten Viermonatszeitraum Januar bis April 2021 beträgt der durchschnittliche Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr nur 1,3 Prozent.

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