| Ev Tebroke |
| 10.04.2026 15:00 Uhr |
Beitrag zur Gesundheitsversorgung: Die Arbeit in einer öffentlichen Apotheke erleben mehr als 80 Prozent der Mitarbeitenden als sinnstiftend. / © imago images / Westend61
Angesichts des Fachkräftemangels herrscht auch in öffentlichen Apotheken ein großer Wettbewerb um geeignetes Personal. Apothekeninhaberinnen und -inhaber haben dabei aber einen entscheidenden Vorteil beim Recruiting: Die Arbeit in der Apotheke gilt als sinnstiftende Tätigkeit. Und vor allem für die jüngeren Generationen ist dies neben den klassischen Faktoren wie Gehalt, Arbeitszeiten und Standort ein wesentliches Kriterium für die Job-Wahl, wie Studien belegen. Auch Trendforscher skizzierten diese Entwicklung mit Blick auf die Generation der Unter-40-Jährigen (Millennials/Gen-Z).
Laut einer Umfrage der Treuhand Hannover bewerten 82 Prozent der Apothekenmitarbeitenden über 40 Jahre ihre Tätigkeit als sinnvoll. Bei den Unter-40-Jährigen sind es sogar 87 Prozent, die ihre Arbeit in einer öffentlichen Apotheke als sinnstiftend erleben.
Folgende Aspekte tragen laut Treuhand zu dieser Einschätzung bei: Zuvorderst zählt der direkte Patientenkontakt. Durch die persönliche Begegnung mit den Menschen in der Offizin erfahren die Mitarbeiter unmittelbares Feedback auf ihre Beratung. Dies ist in vielen anderen medizinischen Bereichen nicht gegeben.
Zudem sind Apotheken niedrigschwellige Anlaufstellen für die alltägliche Gesundheitsversorgung. Mitarbeitende erfahren täglich, wie sie mit ihrer Expertise Orientierung bieten und dabei helfen können, gesundheitliche Probleme zu lösen.
Ein weiteres sinnstiftendes Kriterium sind die Vertrauensbeziehungen, die durch eine jahrelange Betreuung von Stammkundschaft entstehen. Wer tagtäglich Menschen bei ihren Fragen oder Sorgen begleiten und womöglich helfen darf/kann, spürt die Sinnhaftigkeit dieser Tätigkeit.
Und besonders hervorzuheben ist auch die große gesellschaftliche Relevanz, die die Arbeit in der Apotheke auszeichnet: Neben der Sicherstellung der Arzneimittelversorgung ist hier auch die Unterstützung bei Impfungen und Testungen zu nennen, dies zeigte sich nicht zuletzt in der Corona-Pandemie.
All diese Punkte gelte es bei der Gewinnung von Mitarbeitern sichtbar zu machen. Die Treuhand spricht hier vom »Purpose« als Arbeitgebervorteil, als ein »starkes Differenzierungsmerkmal gegenüber vielen anderen Branchen«. Gerade die Sinnhaftigkeit der Arbeit könne bei der Ansprache in Stellenanzeigen oder Recruiting-Gesprächen ein ausschlaggebendes Argument für die Attraktivität des Arbeitsplatzes sein.
Apothekeninhabende sollten diesen Vorteil daher aktiv kommunizieren. So können sie etwa die Patientenorientierung in Stellenanzeigen explizit hervorheben und deutlich machen, dass es vor allem auch um Beratung, Betreuung und Gesundheitskompetenz geht. Darüber hinaus lässt sich durch Geschichten aus dem Alltag einen konkreter Eindruck vermitteln, was die Arbeit in der Praxis bedeutet.
Als positiv ist auch eine wertschätzende Teamkultur in Apotheken hervorzuheben. Für viele Menschen ist das Gefühl, gemeinsam mit Gleichgesinnten etwas Wichtiges voranzubringen, ein attraktiver Aspekt, um sich für einen bestimmten Beruf zu entscheiden.
Grundsätzlich ist es vor allem entscheidend, den Nachwuchs möglichst früh anzusprechen, etwa in Form von Praktika, Schulkooperationen oder auch über Kontakte zu Hochschulen.
Letztlich ist Sinnstiftung aber nicht nur ein Mittel zum Recruiting sondern auch zur langfristigen Mitarbeiterbindung, wie Diplom-Ökonom Guido Michels von der Treuhand Hannover unterstreicht. »Mitarbeiterbindung beginnt nicht erst beim Gehalt oder bei Zusatzleistungen – sie entsteht oft aus der Überzeugung, dass die eigene Arbeit wirklich etwas bewirkt.«