Pharmazeutische Zeitung online
Glaukom-Früherkennung

Sehvermögen erhalten, solange es noch da ist

Man wird blind und merkt es erst zu spät

Generell wird die Glaukomfrüherkennung von der GKV finanziell nicht getragen. Es fehle, so die Kassen, der wissenschaftliche Nachweis für ihren Nutzen. Die Kosten werden lediglich übernommen, wenn ein begründeter Krankheitsverdacht besteht beziehungsweise Risikofaktoren vorliegen. Ansonsten können Augenärzte die Früherkennungsuntersuchung nur als Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) anbieten.

Aber: »Ein Offenwinkelglaukom geht in aller Regel erst in fortgeschrittenen Stadien mit Symptomen einher, die von Patienten bemerkt werden können«, so die Autoren der Leitlinie. Diese besagt, dass bei Erstvorstellung in der Klinik studiengemäß bereits 10 bis 20 Prozent der Patienten aufgrund eines eingeschränkten Gesichtsfeldes unter schweren Seh-Einbußen leiden und unter anderem nicht mehr fahrtauglich sind.

»Man wird blind und merkt es nicht. Kann das sein? Leider ja«, so der BVA. Das Glaukom sei eine tückische Erkrankung. Registrieren die Patienten selbst Symptome, so sei bereits ein großer Teil des Sehnervs zerstört. Das sei ein Verlust, der sich nicht rückgängig machen lässt.

»Es kann nicht sein, dass die Glaukom-Früherkennungsuntersuchung noch immer nicht zum Leistungsumfang der GKV gehört, die Augenärzte aber andererseits verpflichtet sind, diese den Patienten anzubieten«, kritisiert der BVA. Vor diesem Hintergrund komme der neuen Leitlinie auch berufspolitisch besondere Bedeutung zu.

Fakten und Risikofaktoren zum Glaukom

2,93 Prozent der Bevölkerung in Europa im Alter von 40 bis 80 Jahren haben ein Glaukom. Hiervon leidet die Mehrheit an einem Offenwinkel-Glaukom. Die Autoren der Leitlinie unter Federführung von Professor Dr.  Alexander Schuster betonen, dass das Alter wichtigster Risikofaktor für das Auftreten eines Offenwinkel-Glaukoms ist. Im Vergleich zu 40- bis 49-jährigen Menschen erkranken Menschen über 70 Jahren vierfach häufiger. Personen, deren Eltern an einem Glaukom leiden, haben ein zweifach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Männer sind 1,3-fach häufiger betroffen.

Ein weiterer Risikofaktor sei der Augeninnendruck: Beträgt er 24 mmHg oder mehr, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten fünf Jahren an einem Glaukom zu erkranken, bei 9,5 Prozent. Schließlich sei das Risiko bei einer Kurzsichtigkeit von -4 Dioptrien oder mehr erhöht, ebenso, wenn eine Pseudoexfoliatio lentis mit Ablagerungen auf der Linse und im Kammerwinkel des Auges vorliege.

Seite<12

Mehr von Avoxa