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Folgen der Pandemie

Schwere Depressionen verschlimmern sich

Die Maßnahmen zur Beschränkung des gesellschaftlichen Lebens während der Coronavirus-Pandemie könnten bei Personen mit Depressionen schwere Symptombelastungen verfünffachen. Und auch Essstörungen könnten sich verschlimmern. Darauf weisen vorläufige Ergebnisse eines internationalen Forschungsprojekts der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) hin.
Carolin Lang
03.06.2020  13:40 Uhr

Das Forscherteam unter der Leitung von Dr. Youssef Shiban, Professor für Klinische Psychologie an der PFH, untersucht die Auswirkungen der Beschränkungsmaßnahmen verbunden mit der Coronavirus-Pandemie auf das psychische Wohlbefinden. Ziel der Studie sei es, das Befinden der Bevölkerung während der Einschnitte in das gesellschaftliche Leben zu dokumentieren und die belastenden Faktoren zu untersuchen. Außerdem soll der Einfluss verschiedener Resilienzfaktoren erforscht werden.

Aktuelle empirische Untersuchungen würden zeigen, dass Quarantänemaßnahmen von psychologischen Auffälligkeiten wie Depressivität und Stressreaktionen begleitet werden können, hieß es kürzlich in einer Pressmitteilung der Hochschule. »Die zur Eindämmung von Covid-19 eingeführten Maßnahmen könnten somit mit erheblichen Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden verbunden sein, die höchstwahrscheinlich weit über die akute Krise hinweg bestehen bleiben werden«, erklärt Shiban.

Trend zu erhöhter Symptombelastung

Eine erste Analyse der erhobenen Daten von bisher rund 2.000 Personen lasse schon jetzt einen deutlichen Trend erkennen: Im Vergleich zu einer Normierungsstichprobe, die vor der Pandemie erhoben wurde, ergaben sich deutliche Veränderungen bei der Symptombelastung befragter Personen. Besonders für die Depressivität sei in den vorläufigen Daten ein deutlicher Unterschied zu finden. Es ergebe sich eine Verfünffachung des Anteils an schwerer Symptombelastung im Vergleich zur Norm.

Ein ähnlicher Trend zeichne sich auch für andere erhobene psychische Erkrankungen ab. So sei bei Essstörungen ein deutlicher Zuwachs bei einer mittleren und schweren Symptombelastung zu erkennen. »Zu Beginn der Pandemie haben wir mit einem Anstieg psychischer Belastung durch die Beschränkungsmaßnahmen gerechnet. Jetzt deutet sich an, dass diese erheblich sein könnten«, so Shiban.

Internationales Format

Die Studie führt sowohl einen innerdeutschen Vergleich zwischen den verschiedenen Bundesländern als auch einen internationalen Vergleich zu Kanada und Norwegen durch. Die erhobenen Daten sollen die Grundlage für weitere quantitative und qualitative Untersuchungen bilden, so das Forscherteam. Dabei würden belastende und schützende Faktoren herausgearbeitet, um psychologische Handlungsstrategien für den Umgang mit der Pandemie abzuleiten.

Da es sich um eine laufende Studie und somit um vorläufige Daten handle, seien die Ergebnisse vorerst als Trend zu interpretieren. »Wir streben eine baldige Veröffentlichung der Ergebnisse an, um Entscheidungsträgern einen frühestmöglichen Datenzugriff und auf deren Basis die Entwicklung geeigneter Strategien zu ermöglichen«, so Shiban.

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