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Mukosales Immunsystem
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Schutzschild in der Nase

Die Schleimhäute des Körpers haben vielfältige Funktionen. Eine davon: Sie bilden ein lokales Abwehrsystem gegen Erreger und arbeiten Hand in Hand mit dem systemischen Immunsystem. Und zwar permanent.
AutorKontaktEva Gottfried
Datum 27.08.2023  08:00 Uhr

Der Schleim macht’s

Eines der Charakteristika der Schleimhaut ist der Mucus. Dieser wird von einzelligen Drüsenzellen, sogenannten Becher- oder Gobletzellen, sezerniert, die zwischen den einfachen Epithelzellen der Schleimhaut (Tunica mucosa) eingestreut liegen. Mucus besteht aus einem Netzwerk von Glykoproteinen (Mucine), deren 20 verschiedene Formen zum Teil in der Becherzellmembran verankert sind und zum Teil sezerniert werden. Ihre langen Polysaccharidketten (Glykane) sind für die Wasserbindungskapazität verantwortlich und bestimmen so die Viskosität des Schleims (Grafik, links).

Schleimhäute weisen eine typische Besiedelung mit Mikroorganismen, das sogenannte Mikrobiom, auf. Dieses variiert bei Entzündungen.

Normaler Nasenschleim ist zähflüssig und klar, sehr dünnflüssiger Schleim tritt bei allergischer Rhinitis auf. Dicklicher gelblicher Schleim bildet sich bei einer bakteriellen Infektion. Mucolytica wie Thiol-basiertes N-Acetylcystein oder Brom-basiertes Ambroxol wirken auf die Struktur des Schleims. Sie reduzieren Disulfidbrücken zwischen den Mucinen, was die Viskosität des Schleims reduziert und dessen Elastizität verbessert. Darüber hinaus wird den Arzneistoffen eine antioxidative Wirkung zugeschrieben, die auf die Beeinflussung des zellulären Glutathionspiegels (GSH) zurückgeführt wird (8, 9).

Neben Bakterien und Viren kann der Schleim auch pathogene Pilze unschädlich machen. So wird Candida albicans in den Schleimhäuten in Schach gehalten, indem die Filamentierung, das heißt die Transformation der Pilzzellen in Hyphen, durch Mucin-O-Glykane wie Core 1, Core 1+fucose, Core 2+Galactose unterdrückt wird. Nur wenn die Schleimstruktur defekt ist, können Pilze in ihre infektiöse Filamentform wechseln, was Mundsoor, vaginale Hefepilzinfektionen und lebensbedrohliche systemische Infektionen zur Folge haben kann. Ob und wie sich die Erkenntnisse zu Mucinen therapeutisch nutzen lassen, bleibt zu untersuchen (10).

Doch auch die Erreger selbst beeinflussen den Schleim, um in den Körper einzudringen. So konnten Forscher nachweisen, dass das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) sowohl die Bildung von schleimbildenden Becherzellen als auch die Expression von Mucinen und damit die Mucus-Produktion beeinflusst (11).

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