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Ärzte und Apotheker in Nordrhein

Schulterschluss mit Wermutstropfen

In Nordrhein wollen Hausärzte und Apotheker künftig noch enger zusammenarbeiten als bislang. So ziehen beide Seiten etwa beim E-Rezept und den Rabattverträgen an einem Strang. Ein Streitpunkt allerdings bleibt zwischen den Parteien: Die Grippeimpfung in der Apotheke.
Stephanie Schersch
03.09.2020  15:32 Uhr

Ein derart breiter Schulterschluss ist selten: Hausärzte und Apotheker wollen in Nordrhein künftig auf noch breiterer Front kooperieren. Ziel sei es, die medizinische Versorgung der Menschen vor Ort zu stärken, erklärten Hausärzteverband und Apothekerverband Nordrhein (AVNR) heute in einer gemeinsamen Pressemitteilung. 

Die beiden Hausärzte-Chefs Oliver Funken und Jens Wasserberg hatten auf Einladung der Apotheker an einer Klausurtagung des AVNR in Meerbusch teilgenommen. Ergebnis der Gespräche ist ein ganzer Katalog an Themen, an denen man künftig zusammen arbeiten will. »Der gemeinsame Weg ist der bessere Weg«, stellte Funken im Anschluss an das Treffen klar. Den Ärzten macht derzeit auch der demografische Wandel deutlich zu schaffen, denn in den kommenden Jahren werden viele Mediziner in den Ruhestand wechseln. Die Herausforderungen könne man nur gemeinsam mit anderen Heilberufen bewältigen, so Funken. Auch AVNR-Chef Thomas Preis zeigte sich zufrieden. »Wir freuen uns, dass der Hausärzteverband die heilberufliche Kooperation zwischen Apothekern und Hausärzten mit uns gemeinsam verbessern will.«

E-Rezept mit Makelverbot

Auf Unterstützung der Mediziner können die Apotheker unter anderem beim Thema E-Rezept bauen. So plädieren die Hausärzte an dieser Stelle für eine möglichst neutrale Lösung, so wie sie auch die Apotheker mit der DAV-Web-App anstreben. Demnach muss insbesondere über ein technisch abgesichertes Makelverbot sichergestellt werden, dass die Verordnung des Arztes »nicht zum Spielball unkontrollierbarer Marktkräfte zulasten der Patienten wird«, wie es in der Pressemitteilung heißt. Insgesamt blicken die Ärzte sehr skeptisch auf das E-Rezept. Größere Vorteile erwarten sie zunächst nicht. Offenbar fürchten die Mediziner einen Mehraufwand im Praxisalltag. »Alles, was neu ist, kann gut sein, wenn es in den Workflow der Praxis passt«, so Funken.

Unzufrieden zeigten sich Funken und Wasserberg mit den Rahmenbedingungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie. Dass die Versorgung trotzdem so gut funktioniert habe, sei vor allem auf die Flexibilität der Akteure vor Ort zurückzuführen, heißt es. Eine Strategie der Politik habe gänzliche gefehlt. Der Hausärzteverband hat vor diesem Hintergrund nun eigene Pandemiepläne entwickelt. Dabei habe man »explizit die öffentlichen Apotheken mitberücksichtigt«, sagte Funke.

Aufgrund der Krise dürfen die Apotheken derzeit flexibler reagieren und ein anderes Präparat wählen, wenn Arzneimittel nicht lieferbar sind, auch im Zuge der Rabattverträge. Die Apotheker drängen bereits seit Wochen darauf, diese Regelungen zu entfristen und dauerhaft einzuführen. Nun stimmen auch die Hausärzte in die Forderung ein. Von dieser bürokratischen Entlastung würden demnach am Ende vor allem die Patienten profitieren. Viel Raum für Kooperationen sehen Ärzte und Apotheker auch im Bereich der Prävention. So könnten etwa gemeinsame Patientenschulungen stattfinden, heißt es.

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