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Neue Beauftragte

Schmidtke soll Patienten vertreten

Die Lübecker Herzchirurgin Professor Claudia Schmidtke soll neue Patientenbeauftragte der Bundesregierung werden. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger kennt sie sich im Gesundheitswesen bereits bestens aus.
Stephanie Schersch
10.01.2019
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Mehr als zwei Monate ist das Amt des Patientenbeauftragten bereits vakant. Jetzt hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seine Kandidatin offenbar gefunden. Die 52-Jährige Medizinprofessorin Claudia Schmidtke soll in Zukunft die Belange der Patienten vertreten. Schmidtke bringe alle Voraussetzungen für die verantwortungsvolle Aufgabe mit, sagte Spahn dem »Tagesspiegel«. Als profilierte Ärztin kenne sie die Nöte von Patienten.

Auch Schmidtke selbst präsentiert sich vor allem als überzeugte Medizinerin. Ihr berufliches Leben habe sie bislang insbesondere in Kliniken verbracht, schreibt sie auf ihrer Homepage. Noch heute kehre sie als Herzchirurgin hin und wieder gerne an den OP-Tisch zurück, »um meinen Kontakt zur Praxis nicht zu verlieren«. Viele Jahre war sie als Oberärztin an der Universität Lübeck tätigt, zuletzt arbeitete sie am Herzzentrum in Bad Segeberg. Sie kenne den Alltag in den Kliniken mit all seinen Facetten. »Die Verbesserung der Bedingungen im Gesundheitswesen und insbesondere der Pflege sind mir daher besonders wichtig.«

Mit diesen Kenntnissen hat Schmidtke ihrem Vorgänger einiges voraus. Der Wirtschaftswissenschaftler Ralf Brauksiepe (CDU) hatte keinerlei gesundheitspolitische Erfahrungen mit ins Amt gebracht. Im November 2018 gab er seinen Posten nach nur sechs Monaten zurück, um in die freie Wirtschaft zu wechseln.

Politisch blickt Schmidtke auf eine Art Blitzkarriere zurück. Sie selbst beschreibt sich als klassische Seiteneinsteigerin. Tatsächlich kam sie erst 2015 zur CDU –  »angetrieben von meinem Wunsch, den Hochschulstandort Lübeck zu stärken«. 2017 wurde sie im Wahlkreis Lübeck als Direktkandidatin aufgestellt und zog prompt in den Bundestag ein. Dort ist sie unter anderem Mitglied im Gesundheitsausschuss.

Umfrage zur Homöopathie

Im Arzneimittelbereich hatte Schmidtke zuletzt eine Debatte über Homöopathika angestoßen. Auf Facebook fragte sie im November, ob die Apothekenpflicht für entsprechende Präparate fallen soll oder nicht. 61 Prozent der rund 35.000 Teilnehmer dieser Umfrage stimmten damals für die Homöopathie. Sie selbst habe sich noch keine abschließende Meinung zu diesem Thema gebildet, sagte sie dem Bundesverband Patienten für Homöopathie. Als Chirurgin sehe sie vieles pragmatisch. »Häufig heilt die Natur von selbst, nicht jedes Wehwehchen muss mit Chemie beantwortet werden.«

Sie sei »immer positiv, immer neugierig, immer chirurgisch direkt«, schreibt Schmidtke über sich selbst – drei Eigenschaften,die ihr nun auch im Amt der Patientenbeauftragten helfen sollen. »Ich freue mich sehr auf diese verantwortungsvolle Aufgabe«, teilte sie auf Facebook mit.

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